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106. Griechenland.
Das herrliche Klima war schon von den Alten als die schönsteMitgift Griechenlands gepriesen. Nur an einigen wenigen, durchdie Sorglosigkeit der Menschen versumpften Küstenstrecken herrschtFieberluft; sonst ist es überall durch seine verhältnismäßig reich-liche Trockenheit spannend und erregend. Die große Klarheit derLuft läßt unter dem tiefblauen Himmelsdome auch die fernstenGebirgslinien mit großer Schärfe erkennen.
Doch ist das Klima nicht durchaus gleichförmig. Mit demÖlbaume, dessen Kultur in Thessalien beginnt, treten wir indie Zone der immergrünen Wälder. Jetzt werden die Verände-rungen der Flora auffallender. In den Niederungen erscheint Reisund Baumwolle, Myrte und Lorbeer auf den Hügeln und um dieRuinen, Oleander längs der Flußläufe. In Attika findet derÖlbaum sein zuträglichstes Klima. Hin und wieder tritt hier aucheine Dattelpalme auf, aber erst in Messenien und auf denInseln bildet sie, ungeschützt im Freien, größere Gruppen undreift sie in günstigen Jahren wohl ihre Früchte. Die Zitrusarten(Orangen, Zitronen u. a.) bilden an der Küste von Argolisganze Wälder.
Der Austausch dieser Erzeugnisse begründet einen lebhaftenVerkehr, den das umgebende Meer aufs höchste begünstigt. Esgeschieht dies nicht bloß durch die sehr entwickelte Küste, nicht bloßdurch den Reichtum zahlreich verstreuter Inseln, sondern nament-lich auch dadurch, daß dieses Meer zu den ruhigsten unseres Erd-teils gehört. Selbst während der Winterzeit mit ihren unruhigemWinden sind eigentliche Stürme, wie sie die Nordsee kennt, selten.Aber nicht nur die leichte Wegsamkeit ist ein Vorzug dieses Meeres;es gewährt zugleich der griechischen Landschaft malerischen Reiz.Fast von jedem Bergesgipfel erblickt man diesen weiten, blauenSpiegel, wie er sich in den mannigfachsten Windungen ins Landhineindrängt. Der Blick auf das immer bewegte, stets veränder-liche und doch immer schöne Wasser regt Sinn und Einbildungs-kraft mächtig an. .