323
Rückspringend mit sich in den Abgrund reißt,
Wie eine Windlawine dich verschüttet,
Wie unter dir der trügerische FirnEinbricht, und du hinabsinkst, ein lebendigBegrabner, in die schauerliche Gruft.
Ach, den verwegnen Alpenjäger haschtDer Tod in hundert wechselnden Gestalten!
Das ist ein unglückseliges Gewerb',
Das halsgefährlich führt am Abgrund hin.
Teil. Wer frisch umherspäht mit gesunden Sinnen,
Auf Gott vertraut und die gelenke Kraft,
Der ringt sich leicht aus jeder Fahr und Not.
Den schreckt der Berg nicht, der darauf geboren.
(Er hat seine Arbeit vollendet, legt das Gerät hinweg.)
Jetzt, mein’ ich, hält das Tor auf Jahr und Tag.
Die Axt im Haus erspart den Zimmermann. (Nimmt den Hut.)Hedivig. Wo gehst du hin?
Teil. Nach Altdorf zu dem Vater.Hedivig. Sinnst du auch nichts Gefährliches? Gesteh mir’s!Teil. Wie kommst du darauf, Frau?
Hedwig. Es spinnt sich etwasGegen die Vögte, — Auf dem Rütli wardGetagt, ich weiß, und du bist auch im Bunde.
Teil. Ich war nicht mit dabei; doch werd’ ich michDem Lande nicht entziehen, wenn es ruft.
Hedivig. Sie werden dich hinstellen, wo Gefahr ist,
Das Schwerste wird dein Anteil sein wie immer.
Teil. Ein jeder wird besteuert nach Vermögen.
Hedwig. Den Unterwaldner hast du auch im SturmeÜber den See geschafft, ein Wunder war’s,
Daß ihr entkommen. Dachtest du denn gar nichtAn Weib und Kind?
Teil. Lieb’ Weib, ich dachte an euch;
Drum rettet’ ich den Vater seinen Kindern.