II. Die Wohnsitze der Handwerker.
Durchwandern wir nun die von den Handwerkern und Kauf-leuten bewohnten Stadtteile jenseit des Birsigs und beginnen wirmit dem Korn markt. Da bot man im untern Stockwerk derHäuser, ehe ein großes Kornhaus gebaut wurdet (1438), Getreidefeil, da handelte man mit den Weinbauern, die den Ertrag ihrerRebberge auf der Achse oder zu Schiff in die Stadt brachten;das zusammenströmende Volk versorgten die Köche in gedeckten„Lauben" vor den Häusern mit Speis und Trank; in ihrer Laubelegten die Grautücher ihre Stoffe, auf ihren Bänken undStangen die Kürsner ihre Kürsen oder Pelzwamse und anderesWeidwerk zum Verkaufe aus. Noch innerhalb der ältesten Stadt,am untersten Teil der Freienstraße, wohnten die Becherer, die,als das Glas noch wenig bei uns bekannt war, Trinkgeschirreverfertigten, aus Holz, Zinn oder Ton für den gemeinen Mann,aus Silber oder Gold für die Reichen. In den Buden zwischenMarkt- und Eisengasse waren blinkende Sporen für den Reisigen,in der engen Gasse hinter dem Brunnen Sattel und Lederzeugfür sein Streitroß ausgelegt; dort war die Straße „unter denSporen", hier die „Sattelgasse".
Vom Kornmarkt an aufwärts, dem Birsig entlang, wohntendie Handwerker, welche die Tierfelle verarbeiteten, unten dieBer-mender, die Verfertiger des damals vielgebrauchten Pergamentes,weiter oben, an dem von einem Bischof angelegten „Obern Birsig"(dem Rümelinsbach) die Gerber; ihrer Hände Arbeit legten siein der „Gerberlaube", dem spätern Zunfthaus, nieder. Vor der-selben sprudelte der „Richtbrunnen" im Schatten eines Baumes,von dem man aufwärts auf den freien Platz gelangte, woraufseit 1226 das Kloster der Barfüßermönche stand; hier wohntendie Guter oder Schuchsuter (woraus Schuster) und gaben derStraße den Namen Guter st raße (jetzt obere Gerbergasse).
Die Straße, die vom Marktplatz in westlicher Richtungbergan führt, die alte Markt- jetzt Hutgasse, hieß seit der
’) A» der Stelle des jetzigen Zeughauses