Band 
Fünfter Teil.
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überzogen, da man noch kein Fensterglas hatte. Vor jedemFenster lag das kleine zm Kammer gehörige Gärtchen, das seinemBesitzer während des Lebens zum Arbeitsfeld, beim Tode zumBegräbnisplatz diente. Alle diese Gärtchen zusammen waren miteiner hohen Mauer umgeben, damit keiner der Versorgten ent-fliehen und andern zum Schrecken werden könne. So waren dieArmen von der Menschheit ausgeschieden im Leben und im Tode."')

Nach dem allmählichen Erlöschen des Aussatzes diente dasGebäude zur Aufnahme von Unheilbaren aller Art und sittlichVerkommenen. „Dabei boten beide Anstalten ein trauriges Bild:wie in einem Brennpunkt das Licht, so war hier das Elenddes Landes auf einen Punkt gehäuft. Die niedern, dumpfen Räumewaren überfüllt mit Bresthaften jeder Art, die bloß nach Ge-schlechtern getrennt, ohne Sonderung durcheinander lebten. Selbstdie Ekelhaften und die Irren bewegten sich frei unter den andern.Die Tobenden wurden zur Ruhe gebracht durch die gewaltigeeiserne Fessel mit den schweren Kugeln, und wenn auch diesesMittel nicht half, so ließ der Bader dem Gefesselten zu Ader,bis Stille eintrat. Den Kranken war ein düsteres, kleines Zimmervorbehalten. Da die Mittel nicht ausreichten, so wurden diePfründer darauf angewiesen, ihre Kleider selber anzuschaffen unddafür bei den Bewohnern Liestals Arbeit und Lohn zu suchen.Viele brachten das Erworbene vollständig im Trunke durch, undder enge Hof bot gewöhnlich das Bild einer in Lumpen gehüllten,auf jede Weise verwahr!often Herde. Das Ganze trug den Stempelder Armseligkeit?")

1765 wurde das alte Siechenhaus durch ein neues ersetzt,das bis 1854, d. h. bis zum Bau des neuen Kantonsspitals be-stand und jetzt in Arbeiterwohnungen umgewandelt ist. Würdigsteht diesem neuen Spital das 1877 errichtete neue Kranken-haus zur Seite.

Freilich nur die Allerärmsten fanden in diesen staatlichenArmenhäusern Unterkunft; die anderen sollten die Gemeinden selberversorgen. Das geschah durch die sogenannte „Kehre". „Wie

’) Birma» II, 452.