Band 
Fünfter Teil.
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Halten wir drum hoch den Namen Wilhelm Tell, und lassenwir, denselben Gedanken weiterverfolgend, auch nicht ab vomGlauben an der Eidgenossen Schwur auf dem Rütli, an den Neu-jahrsmorgen 1308, an die Verjagung der Vögte und die Schleifungihrer Zwingburgen. Sie sind es wert, diese Überlieferungen, daßwir sie wie einen goldenen Schatz bewahren, denn sie sind dieberedten Zeugen für die Urkraft eines freiheitsliebenden Stammes,die Zeugen aus seiner Heldenzeit.

Freilich sind die Dinge seit den Tagen des Wilhelm Tellvielfach anders geworden. Mit dem Staatsrecht, das in denFreiheitsbriefen der Urner und Schwyzer niedergelegt wurde,kommen wir heute nicht mehr aus. Mit der Armbrust würde esauch dem Tapfersten nicht gelingen, den heranziehenden Feind vonunsern Grenzen fernzuhalten, über den Urnersee zieht dasDampfboot seine Furchen, und durch den Axenberg schnaubt dieLokomotive. Unaufhaltsam schreitet die Zeit vorwärts. Wer inihr stille steht und sich einredet, daß alles, was vor Dezenniengut gewesen, es auch heute sein müsse, begeht eine Selbsttäuschung.Gleich wie aber bei dem Wechsel der Jahreszeiten und den da-durch bedingten Veränderungen in der Natur von Anbeginn derZeiten dieselbe Sonne über den Gebirgen der Urschweiz auf- undniedersteigt, so gibt es auch in den öffentlichen Einrichtungen einFestes und Dauerndes. Ich meine die unveränderlichen Gesetzeder Religion, der Moral, der Gerechtigkeit. Weise und nichtschwächlich handelt, wer lernt die Zeit verstehen und bestrebt ist,in allen Dingen das, was bleibenden Wert hat, und auf dem erseine Grundsätze aufbaut, zu unterscheiden von dem, was alsäußerliche Erscheinung vorübergeht.

Solche Gedanken mögen auch den Künstler bewegt haben.Sein Tell schreitet vorwärts, behutsam und sicher, das Haupt aus-recht, fest und klar der Blick in die Zukunft.

Noch sei mir gestattet, eine Ehrenschuld abzutragen.

Im Namen des Bundesrates danke ich euch, verehrte Freundeaus Uri, dafür, daß ihr uns Gelegenheit geboten habet, die hoch-vaterländische Feier mit euch zu begehen. Wir danken euch für