7. Es träumte Kriemhilden in holder Sittsainkeit,
Wie einen wilden Falken sie hege lange Zeit,
Den ihr zween Aar’ erwürgten. Sie mußt’ es selber sehn,Und herbres Leidensschicksal konnt’ihr nimmermehr geschehn.
8. Und ihrer Mutter Ute ward ihr Traum geklagt;
Doch böse Deutung wurde der Maid von ihr gesagt:
»Der Falke, den du großziehst, ein Mann ist’s wert und gut!Doch du verlierst ihn frühe, nimmt ihn nicht Gott in seine Hut. “
9. „Was sagt Ihr mir vorn Manne, liebe Mutter mein?Ohne Reckenminne will ich immer sein!
So schön will ich verbleiben bis an des Lebens Schluß,Daß ich an einem Manne nimmer Weh erleben muß.“
10. „Nicht zu sehr verred’ es!“ (gab Ute ihr zurück):»Ist auf dieser Welt dir beschieden Herzensglück,
Von Mannes Minne kommt es. Du wirst mit Glück vermählt,Hat einen edlen Ritter dir Gott zum Gatten auserwählt.“
11. „Die Rede lasset schweigen, liebste Mutter! Traun,Sahn wir sich’s nicht zeigen an so manchen Frau’n,
Wie Freude doch mit Leide schwer vergilt zum Schluß?Meiden will ich beide: so meid’ ich bitteren Verdruß.“
12. So lebte nun die hohe Fürstin lange ZeitNach Art edler Jungfrau’n in holder Sittsainkeit.
Sie wußte keinen, dem sie gab’ ihr Mädchentuin.
Das Weib des besten Ritters ward sie einst mit Ehr' und Ruhm.
3i ) gefiieget, zuteil werden läßt. — ") ritiers llp — ritter; Up häufigzur Umschreibung der Person.
H ,7 ) Uit imper. pl. von Idn, lalit. — *•) froutee, Herrin; hier von derTochter der Mutter gegenüber gebraucht. — ") dicke, oft. — ") sein(schin) werden, sich zeigen; schilt ndj., sichtlich, offenbar. — ") liebestf., Freude. — ") ze jungest, zuletzt. — ") beide, die Freude unddas Leid, das die Minne gibt. — ") missegän, schlecht ergehen.
1 -. ") muot, Sinn, Herz. — **) bewac prast. von bewegen; sich bewegenmit gen., auf etwas verzichte»; mimte ist Genetiv. — * 7 ) wesse prtet.von weis, statt weste, auch diese Form und wisse kommt im Nibelungen-liede vor. — *’) ir lip, sie (zu 10, 4). (K Bartsch)