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111. Der Wohltäter.
1. Am Weg saß eine Bettlerin;
Hans warf ihr einen Pfennig hinUnd war im innersten GemüteGerührt von seiner großen Güte.
Gleichzeitig kam ein andrer Mann,
Der sah das Bettelweib nicht anUnd ging vorüber stumm und kühl.
2. Das mehrte Hansens Stolz beträchtlich:
Er selbst so gut und voll Gefühl
Und jener andre so verächtlich!
Nur eins blieb Hans dabei verborgen:
Der Mann, der still vorbeigeschwenkt,
Der hatte schon am selben Morgen
Das Weib mit einer Mark beschenkt. (Ludwig Fulda.)
112. Sanheribs Untergang.
1. Es fielen die Assyrer gleich Wölfen in das ReichMit strahlenden Kohorten, an Gold und Purpur reich.
Es funkelten die Panzer, es blitzte Speer an Speer,
Wie Sterne nachts sich spiegeln in Galiläas Meer.
2. Zahllos wie Waldesblätter, darin der Lenzwind rauscht,
So flatterten am Abend die Banner stolz gebauscht;
Doch wie der rauhe Herbstwind zerstreut das gelbe Laub,
So lag das Heer am Morgen geknickt und fahl im Staub.
3. Der Todesengel senkte hernieder seinen Flug;
Und, die kein Feind bezwungen, nicht Schwert noch Lanze schlug,Die Schläfer überhauchte der Todesengel leis —
Da floh der Lebensatem, das Blut gefror zu Eis.
4. Die Rüstern weit geöffnet liegt tot das stolze Roß,
Und um entseelte Führer liegt der entseelte Troß;
Wie über Nacht die Meerflut die Ufer überschwillt,
Kam das Verderben lautlos und hat ihr Los erfüllt.