Band 
Fünfter Teil.
Seite
430
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Die beiden singen starke Zauberlieder —

Ein Geier hangt im Blau und stößt danieder,

Und setzt sich schreiend auf das Joch.

(Konrad Ferdinand Meyer.)

1l4. Gotentreue.

1. Erschlagen war mit dem halben HeerDer König der Goten, Theodemer.

2. Die Hunnen jauchzten auf blutiger Wal 1 ),

Die Geier stießen herab zu Tal.

3. Der Mond schien hell, der Wind pfiff kalt —Die Wölfe heulten im Föhrenwald.

4. Drei Männer ritten durchs Heidegefild,

Den Helm zerschroten, zerhackt den Schild.

5. Der erste über dem Sattel querTrug seines Königs zerbrochenen Speer.

6. Der zweite des Königs Kronhelm trug,

Den mittendurch ein Schlachtbeil schlug.

7. Der dritte barg im treuen Arm

Ein verhüllt Geheimnis im Mantel warm.

8. So kamen sie an den Ister 2 ) tief.

Und der erste hielt mit dem Roß und rief:

9. „Ein zerhauener Helm, — ein zerhackter Speer,Von dem Reich der Goten blieb nicht mehr!“

10. Und der zweite sprach: „In die Wellen dortVersenkt den traurigen Gotenhort!

11. Dann springen wir nach von dem Uferrand,Was säumest du, Meister Hildebrand?“

12. „Und tragt ihr des Königs Helm und Speer,Ihr treuen Gesellen, — ich trage mehr!“

') Ahd. mhd. der, die, das wal Kampfplatz, Schlachtfeld.*) Untere Donau.