Band 
Fünfter Teil.
Seite
433
JPEG-Download
 

433

Ein Büßender im Pilgergewand,

Zog ich zürn heil’gen Grab.

4. Manch Kloster hab’ ich reich beschenkt,Hab’ gebaut einen stattlichen Dom;

Dafür sprach mich von Sünden freiDer heilige Vater in Rom.

5. Nun wär’ ich der Verdammung quitt,Wovon der Pfaffe spricht;

Doch trag’ ich die Hölle in meiner Brust,

Und dieser entrinn’ ich nicht.

6. Was hilft mir Kreuzfahrt, was der Papst,Der binden und lösen kann? . . .

Verloren hab’ ich das treu’ste Weib,

Verloren den treu’sten Mann!“ (Heinrich Leuthold.)

117. Johann Chaldar.

1. Grimm sah der Burgherr von FardünHinab ins Tal im Maiengrün,

Sah hoch der Bauern Saaten sprießen,

Die Galle wollt’ ihm überfließen.

„Heda!“ rief er zur Knappenschar,

„Auf, brecht mir dieser Bauern Stolz!

Zeigt ihnen, wer aus härterm Holz,

Und treibt der Rappen wildstes Paar1ns Saatfeld lustig dem Chaldar,

Der sich als Losung ausersehn:

,In Ehren stehn, oder untergehn! 1 “

2. Da stürmt schon aus des Vogtes SchloßZu Tal der Knechte schwarzer Troß

Und jubelt, wie die Rosse waten,

Zu Brei sie stampfend, durch die Saaten.

In stummen Tränen steht Chaldar.

28