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2. Und finstrer wölkt sich der dämmernde Schnee.Sie schlich ihm zur Seite auf listiger Zeh’:
„Halt! daß ich dir leuchte, du wandelst irr!
Ein freundliches Märchen erzähl’ ich dir.“
Eine Ampel zog sie aus ihrem Gewand:
Da glänzt’ ihm vor Augen der Heimat Land,
Der Hügel, der Garten, die Eltern seinIm seligen, goldigen Jugendschein.
Er schwankte. Schon kürzt’ er der Schritte Maß,
Dann schlug er ein Kreuzehen und zog fürbaß.
3. Und es stürmt, und es stöbert mit Sturmesmacht,Vorn heulenden Felsen gähnt weiße Nacht.
Sein Wille versagte, sein Knie versank.
Da saß sie auf einer steinernen Bank.
„Hier ist es behaglich, komm, setze dich!
Ich weiß zu kosen gar minniglich.
Und lockt dich der Schlummer, und lacht dir ein Traum:An meinem warmen Busen ist Raum.“
Sie blickte so lieblich, sie nickte so hold,
Als ob sich der Himmel ihm öffnen wollt’.
Er wankt’ ihr entgegen in taumelndem LaufUnd fiel ihr zu Füßen — stand nie mehr auf.
(Karl Spitteler.)
130. Das Glöcklein.
1. Er steht an ihrem Pfühl in herber Qual,
Den jungen Busen muß er keuchen sehn —
Er ist ein Arzt. Er weiß, sein traut GemahlErblaßt, sobald die Morgenschauer wehn.
2. Sie hat geschlummert: „Lieber, du bei mir?
Mir träumte, daß ich auf der Alpe war,
Wie schön mir träumte, das erzähl' ich dir —
Du schickst mich wieder hin das nächste Jahr!
3. Dort vor dem Dorf — du weißt den moos'gen Stein —Saß ich, umhüllt von lauter Herdgetön,