513
3. Seitab ein Gärtchen, dornumhegt,
Mit reinlichem Gelände,
Wo matt ihr Haupt die Glocke trägt.Aufrecht die Sonnenwende.
4. Und drinnen kniet ein stilles Kind,
Das scheint den Grund zu jäten;
Nun pflückt sie eine Lilie lindUnd wandelt längs den Beeten.
5. Am Horizonte Hirten, dieIm Heidekraut sich streckenUnd mit des Aves MelodieTräumende Lüfte wecken.
6. Und von der Tenne ab und anSchallt es wie Hammerschläge,
Der Hobel rauscht, es fällt der Span,
Und langsam knarrt die Säge.
7. Da hebt der Abendstern gemachSich aus den Föhrenzweigen,
Und g’rade ob der Hütte DachScheint er sich mild zu neigen.
8. Es ist ein Bild, wie still und heißEs alte Meister hegten,
Kunstvolle Mönche, und mit FleißEs auf den Goldgrund legten:
9. Der Zimmermann — die Hirten gleichMit ihrem frommen Liede —
Die Jungfrau mit dem Lilienzweig —
Und rings der Gottesfriede —
10. Des Sternes wunderlich GeleuchtAus zarten Wolkenfloren —
Ist etwa hier im Stall vielleichtChristkindlein heut’ geboren?
(Annette v. Drostc-Hülshoff.)
***** 3