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Schweizergeschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Prof. Dr. Wilhelm Oechsli
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Die Mehrheit (1er Kantone scharte sich um Zürich. Bernjedoch weigerte sich, eine andere als die dreizehnortige Eid-genossenschaft anzuerkennen. Es zog Luzern, die Wald-stâtten, Zug, Freiburg und Solothurn auf seine Seite, undversammelte sich mit diesen Orten zu einer Gegentagsatzungin Luzern. Schon stand die Schweiz am Vorabend desBtirgerkrieges. Da machten die fremden Mâchte dem klâg-lichen Schauspiel ein Ende. Kaiser Alexander von Ru b- , ^

: land, auf den sein ehemaliger Lehrer L a h a r p e groBen ;iEinfluB ausübte, machte dem Fürsten Metternich bittere Yor-

Iwiirfe, daB er die Schweiz durch seine Umtriebe in neueUnruhen gestiirzt habe, und veranlaBte die verbündeten Mo-narchen zu der Erklârung, daB sie nur eine Tagsatzung der19 Kantone anerkennen würden. Grollend fügte sich diebernische Aristokratie mit ihren Gesinnungsgenossen diesemBefehle. Die Tagsatzung in Zürich wurde vollzàhlig undmachte sich nun an das Werk einer neuen Bundesverfassung.

Nach unsâglicher Mühe kam man damit zustande. Zugleich12. Sept, wurden Wallis, Neuenburg und Genf auf ihr Ansuchen1814 als Kantone in den Bund aufgenommen. Der armselige Kan-tônligeist bewirkte jedoch, daB eine Menge Streitpunktezwischen den alten und neuen Kantonen unausgeglichenblieben, und die Schweizer schamten sicht nicht, die Ent-scheidung darüber den fremden Machten zu überlassen, stattsie unter sich ins reine zu bringen.

6. WienerkongreB und Pariserfriede (1814/15).

Nach dem Sturze Napoléons versammelten sich die Fürstenund Staatsmanner Europas in Wien, um die Verhaltnisse des ^

Erdteils neu zu ordnen. Auch die schweizerische Tagsatzung1814/15 schickte an diesen WienerkongreB eine Gesandtschaft,an deren Spitze der Bürgermeister Reinhard stand. AuBer-dem erschienen aber in Wien eine ganze Anzahl Nebenge-sandte, die einzelne Kantone und Landesteile abzuordnen fürgut gefunden hatten, so daB jedes entschlossene, einheitlicheAuftreten der Schweiz unmôglicli wurde. Zum Glück warendie verbündeten Monarchen unter dem Einfiufi des Zaren