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Schweizergeschichte : ein Handbuch für Schüler / von J. König
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Neutralität inbegriffen waren, für die Schweiz zu erwerben. Sein Ver-langen wurde zwar von Napoleon scheinbar günstig aufgenommen. Alleinsowohl er als der Turinerhof hielten die Schweiz mit Ausflüchte» undVerhandlungen so lange hin, bis die schon vor dem Kriege beschlosseneAbtretung vollzogene Thatsache war. Nun entstanden in der Schweiz zweiParteien; die eine, an ihrer Spitze Stämpfli von Bern, verlangteentschiedenes Auftreten und wollte, selbst auf die Gefahr eines Krieges hin,Nordsavoyen militärisch besetzen; die andere, geführt von Alfred Eschervon Zürich, wollte durch Nachgiebigkeit eine friedliche Entscheidung herbei-führen. Die Friedenspartei erhielt die Oberhand. Die Schweiz verlor dieAnsprüche auf jene Gebiete und wurde auch der Neutralitätspfiicht enthoben.Ihre eigene Neutralität dagegen wußte die Schweiz sowohl im Jahre 1869,als im Jahre 1866, als Preußen und Italien vereint gegen OesterreichKrieg führten, mannhaft und entschieden durch militärische Besetzung ihrerSüd- und Südostgrenzen zu schützen.

Am meisten Opfer erforderte die Aufrechterhaltung der Neutralität zurZeit des deutsch-französischen Krieges 187071. Unter demOberbefehle des Generals Herzog von Aarau wurden gegen 60000 Mannan der Nord- und Westgrenze der Schweiz aufgestellt und dadurch den krieg-führenden Mächten gezeigt, daß jeder Versuch, die Neutralität der Schweizzu mißachten, einen ernsten Widerstand zu gewärtigen habe. Die Gefahrging glücklich vorüber. Die französische Armee des Generals Bourbaki,im Februar 1871 von den deutschen Heeren auf Schweizerboden gedrängt,wurde entwaffnet und in der Schweiz bis zum Friedensschlüsse verpflegt.Während des Krieges hatte sich auch eine schweizerische Abordnung nachdem belagerten Straßburg begebe», um Frauen und Kinder aus der hart-bedrängten Stadt zu führen und ihnen einen sichern Zufluchtsort zu ver-schaffen. Die Schnelligkeit, mit welcher die Schweiz damals zum Schutzeihrer Grenzen bereit war, die Gastfreundschaft und Opferwilligkeit, mitwelcher sie die unglücklichen Opfer des Krieges, die 80000 ausgehungerten,meist kranken französischen Soldaten aufnahm und verpflegte, verschafftenihr die «»getheilte Achtung und Anerkennung des Auslandes. Nie seitihrem Bestehen hat die Eidgenossenschaft unter den Staaten Europas eineso ehrenvolle Stellung eingenommen, wie seit der Einführung der Ver-fassung von 1848.

4. Die neueste Entwicklung.

Die fünfziger und sechsziger Jahre sind für die Schweiz eine Zeit raschergeistiger und materieller Entwicklung. Auf allen Gebieten des wirthschaftlichenLebens entfaltete sich eine freudige, ersprießliche Thätigkeit. Handel, Gewerbe,Industrie nahmen einen guten Verlauf. Die Städte vergrößerten sich rasch.Zahlreiche neue Schulhäuser, Verwaltungsgebäude, Spitäler, Armen- und