Aeltere Geschichte.
(Vor Entstehung des ersten Schwcizerbundes bis 1291).
I. Die Urzeit.
(Bis 58 v. Chr.).
Wo das Hochgebirge Mitteleuropas, die Alpen, am mächtigsten sicherhebt, liegt in seinem Schoße und an seinen Abhängen, vorzugsweise aufder Nordseite, bis zum Bodensee, Rhein und Juragebirge, unser Vater-land. Die Geschichte desselben unterscheidet sich in ihrer Entwicklung vonden ältesten Zeiten bis weit in das Mittelalter, bis über die Entstehungdes ersten Schweizerbundes hinaus, wenig oder gar nicht von der Ge-schichte des ganzen, mittleren Europas. Wie lange das Land unbebauteine große Wildniß blieb, ein ungeschmälerter Wohnplatz zahlreicher, wilderThiere, ist unbekannt.
Nur langsam ließen sich Menschen in dem rauhen, unwirthlichenLande nieder. An Seen und Flüssen siedelten sie sich zuerst an. Woder Seegrund wenig tief war, schlugen sie Pfähle ein. Darüber legtensie einen Boden von Rundstämmen und errichteten darauf ihre einfachenWohnungen. Sie trieben Jagd und Fischfang, doch auch Viehzucht,Ackerbau, Gewerbe und Handel. Aus Knochen und Stein verfertigten sieihre ersten Werkzeuge und Waffen. Später lernten sie Erz (Bronce) undEisen kennen und bearbeiten. Es wurde allmälig freundlicher iln Lande.Reichliche Spuren dieser Pfahlbauten sind in verschiedenen Schweizer-see», jedoch ausschließlich in Seen des flachen Landes aufgefunden worden,dabei die Uebcrreste von Geräthschaften, Waffen, Geschirren u. s. w. DieBewohner der Pfahlbauten haben den Namen Pfahlbauer erhalten.Ueber ihr Herkommen ist nichts bekannt, auch nicht darüber, wie langesie in dieser Weise das Land bewohnt haben.
Die ältesten schriftlichen Nachrichten über unser Vaterland rührenvon römischen Geschichtschreibern her. Sie nennen dasselbe Helvetienund seine Bewohner Helvetier. Diese gehörten zu dem großen, damalsüber ganz Mitteleuropa verbreiteten Volke der Kelten. Nach jenenBerichten waren die Helvetier rauh wie ihr Land, aber zugleich tapferund freiheitsliebend. Sie beschäftigten sich mit Viehzucht, Ackerbau undFischerei, am liebsten mit Jagd und Krieg. Die Reichen besaßen Leib-eigene, welche die Felder bebauten und die Heerden weideten. Unabhängiglebten die Helvetier unter selbstgewählten Vorstehern. Ihre Priester hießen
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