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Erleuchtung und Gnade, die selbst dem Heiden zur Er-langung der Seligkeit nicht versagt wird. „Wenn Jemand,"sagt der große Lehrer der Kirche, der hl. Thomas vonAquin, „in den Wäldern aufgewachsen, der Stinime sei-nes Gewissens folgt, so wird Gott ohne Zweifel ihm dienöthigen Glaubenswahrheiten mittheilen, entweder durchinnere Erleuchtung oder durch einen Prediger des Glau-bens." Der Weise von Athen ist deshalb wohl eine edle,vielleicht die edelste Gestalt in der alten Geschichte, aberer lebte und starb immerhin als ein Heide.
XII. Des großen Vaters noch größerer Sohn.
An der nördlichen Grenze Griechenlands hatte sich ausganz unbedeutenden Anfängen das Königreich Macedo-uien gebildet. Es war in Gefahr, sich selbst wiederumaufzulösen. Da übernahm der junge, kühne, geistreichePhilipp, der im Hause des Epaminondas in Theben er-zogen worden war, die Leitung des Reiches (360—336v. Chr.). Mit rastlosem Eifer und kluger Berechnungjeden Schrittes wußte er sich zuerst in beit Besitz derthracischen Goldküste zu setzen, griff dann die griechischenColonieen an, brachte endlich, von den entzweiten Griechenselbst in ihre Angelegenheiten hineingezogen, diesen beiChäronea (338 v. Chr.) eine vollständige Niederlage bei undließ sich zum Oberanführer gegen die Perser wählen. Vonda an endigte die Unabhängigkeit Griechenlands, das nunder macedonischen Hegemonie unterworfen war. Die Unter-jochung der Perser aber war Alexander, des großenPhilipp noch größerem Sohne, vorbehalten.
Schon früh sehnte sich des Knaben Herz nach hohen,ruhmwürdigen Dingen. Ueber die ganze Welt wünschteer König und der alleinige Besitzer aller menschlichenKenntnisse zu sein. Selbst seinen Vater beneidete er wegenseiner Thaten. So oft die Siegesboten die Nachrichtbrachten, Philipp habe diese oder jene Stadt eingenommen,