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Krone jeder Mannestugend" nannten. Gerecht, mäßig,tapfer, ausdauernd in allen seinen Unternehmungen, ein-fach in den Sitten, genügsam, treu seinen Versprechen,so daß es von einem Wortbrüchigen noch lange hieß: „Derhat Rudolfs Redlichkeit nicht", — alle diese Vorzügewaren in ihni in seltenem Grade vereiniget und erhiel-ten ihre Vollendung durch seine rührende Frömmigkeit.Es war Sitte, daß sich die Fürsten von deui neuen Kaiserjedesmal feierlich wieder belehnen ließen. Da nun dashiezu gebräuchliche kaiserliche Szepter nicht gerade bei derHand war, so nahm Rudolf das Kruzifix vom Altare,küßte es und sprach: „Das Kreuz, welches die Welt er-löset hat, wird ja wohl die Stelle eines Szepters vertre-ten können." Das war der schönste Moment in seinen!Leben. Er selbst bezeichnete sich durch diese Handlung nurals den Lehensträger des Allerhöchsten, von dem alle Ge-walt ausgeht, und erhob dadurch seine Macht zu derglanzvollsten und zugleich mildesten Herrschaft. Rudolfstarb 1291.
Er saß im Juli des Jahres 1291 auf der Burgvon Germersheim beim Schach, seinem Lieblingsspiele.Sein Angesicht war leichenblaß, er fühlte seinen nahenTod. „Sagt mir ohne Scheu," sprach er zu den Aerzten,„wie lange habe ich noch zu leben?" „Herr," antwortetensie, „vielleicht wird morgen schon Eure Seele abberufen."„Auf denn nach Speier," rief der Kaiser, „ich will zumeinen Vorfahren reiten," und er setzte sich auf sein treuesRoß. Aber er erreichte Speier nicht mehr lebend; schonunterwegs kündigte der Tod sich an. Alan hob den ster-benden Kaiser voin Pferde und brachte ihn in die naheDorfkirche; auf einen Stuhl gesetzt, betete er mit gefal-teten Händen. „Ein König muß betend sterben," spracher und hauchte seine Seele aus. Das Volk betrauerte inihm den Vater des Vaterlandes.