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XXXV. Das Heldrnzeitalter der Schweizer.
„Wo wohnen die Telle,
Wo die Winkelriede,
Deren Preis so helleKlingt im alten Lwde?"
Mit diesen lieblichen Versen hat der Dichter Fried-rich Rückert aus jenes Heldenalter der Schweizer,das vierzehnte Jahrhundert hingewiesen, das mitgoldenen Lettern in den Büchern der Geschichte verzeich-net ist. Denn da war es, wo jene drei unvergeßlichenHelden, Walther Fürst aus llri, Werner vonStauffacher ausSchwyz, Arnold von Melchthalans Unterwalden sich eidlich gegen die Tyrannei ver-banden (1307). Da ivar es, wo ein freies Häuflein Her-zog Leopolds Macht bei Morg arten zertrümmerte undan demselben Tage den Grafen von Straßberg aus Un-terwalden trieb (1315). Da war es, wo Rudolf vonEr lach, Hauptmann der Berner, mit 5000 Mann, denener vorher sagte, daß in sechs Feldschlachten, in denen ergefochten, der kleinere Haufe den größer» besiegte, — 30,000Feinde in die Flucht jagte (1339). Da war es, wo 1300Eidgenossen bei Sempach dem Kern des österreichischenHeeres trotzten, und Winkelried, dem Tod entgegen-stürzend, die furchtbare Schlachtreihe des Feindes trenntennd den Siegern die Bahn öffnete (1386). Da war es, woeine Handvoll Glarner bei Näfels unter Anführung desMathias am Büel in fünf Stunden langem Kam-pfe den' elfnial wiederholten Angriff der Oesterreicherzurücktrieb und den Sieg erfocht (1388).
Wohl hat die glückliche Lage der Schweiz mitten inden Gebirgen manchmal zu ihren Siegen beigetragen. Abernoch weit mehr als örtlichen Schutz verdankten die Schweizerden Bergen Sitteneinfalt, Muth und Freiheitssinn. Dasvierzehnte Jahrhundert war das reichste an Hel-