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Friedrich Wilhelm I. war sehr sparsam und hinter-liess einen Schatz von neun Millionen Thaler und ein gut-geschultes Heer von 80,000 Mann, Das konnte sein Nach-folger
Friedrich II. der Grosse (1740—1786) (s. Bild LXI.)gut gebrauchen, denn er führte zahlreiche Kriege gegen MariaTheresia:
t. Den ersten schlesischen Krieg, wo er bei Moll-witz siegte und Schlesien erhielt;
2. Den zweiten schlesischen Krieg, wo er in Böh-men einfiel.
3. Den dritten schlesischen oder den siebenjäh-rigen Krieg, in welchem bald Friedrich, bald Maria Theresiamit ihren Verbündeten siegte, bis endlich beide Parteien ganzerschöpft auf dem Schlosse Hubertsburg (1763) einenFrieden schlössen, der Alles beim Alten beliess; kein Theilhatte Etwas gewonnen. Wohl aber hatte Friedrich sein Heerund Volk in dieser grossen Waffen probe zum Gipfel des Ruh-mes erhoben und Preussen den Rang der fünften Gross-macht Europa’s erkämpft.
Friedrich war auch ein besonderer Liebhaber der Wissen-schaften. Immer hatte er einen Kreis von französischen Ge-lehrten um sich; besonders bevorzugte er den Gottesleug-ner Voltaire. Seine eigenen schriftstellerischen Wei ke sindausserordentlich zahlreich.
Bei der dreimaligen Theilung Polens, das durch dieUebermacht des Adels und den Kampf der Nichtkatholiken(Dissidenten) um die Gleichberechtigung mit den Katholikenganz heruntergekommen war, erhielt Preussen: das jetzigeWestpreussen, Danzig, Thorn, Posen, Gnesen und Warschau.Vergeblich kämpfte Thaddäus Kosciuszko für die Befreiungseines Vaterlandes. Bei Macziewice wurde er mit seinen Polengeschlagen (Finis Poloni®) 1794.
5. Die Franzosen.
Die Reformation hatte auch in Frankreich Wurzel ge-fasst, wo der Same der neuen Lehre von Calvin ausgestelltworden war. Wegen ihrer nächtlichen Zusammenkünfte er-