380
wandelte vom Kerker auf den Thron, Napoleonward vom Throne in die Verbannung gestoben.Die Länder, die er beherrscht hatte, wurden getheilt, die Re-publik Venedig, die vierzehnhundert Jahre gedauert, bliebvon der Karte verschwunden, das ehrwürdige, tausendjäh-rige deutsche Kaiserthum erstand nicht wieder, ganz Eu-ropa nahm eine neue Gestalt an; — nur das Papstthumund die Kirche blieben stets unverändert, und alle, die sichmit frecher Hand an ihr vergriffen, haben den Kopf andem Felsen zerschellt. Es war wohl der süßeste Augen-blick im Leben Pius' VII., als Napoleon, in seiner Ein-samkeit und Verlassenheit auf St- Helena zur Besinnunggekommen, im Vatikan um den Segen desjenigen bittenließ, den er vorher in so unerhörter Weise verfolgt hatte.Und der Segen und das Gebet des Papstes umstandenwie Schutzengel das Sterbebett des großen Kriegshelden,des ehemaligen „Kaisers von Rom", dessen Gebeine aufeiner Felseninsel beigesetzt wurden und dort noch unbe-achtet lagen, als man die sterbliche Hülle des hl. Vaters,des rechtmäßigen Herrschers von Rom, in der Kirche desFelsenmannes St. Peter bestattete.
U(V!. Die Ereignisse in der Schweiz.
Es war nicht anders möglich, als daß die Umwäl-zungen in den Nachbarlanden, besonders die Reformation,auch auf die Schweiz ihre Rückwirkung hatten und dortmannigfache Kämpfe hervorriefen. Die größten Verände-rungen aber in dem schweizerischen Staatshaushalte führtedie französische Revolution herbei.
Im Jahre 1798 ging mit dem Untergänge aller be-stehenden Ordnung auch die alte Eidgenossenschaft unter;sie wurde in eine untheilbare helvetische Republikumgeschaffen, und eine sogenannte Einheitsregierungeingeführt, an deren Spitze ein Senat und ein GroßerRath als gesetzgebender Körper nnb ein Direktorium aus