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Deutsches Sprachbuch für die zweite Klasse der Sekundar- und Bezirksschulen auf Grundlage des zürcherischen Lehrplans und mit Berücksichtigung der obligatorischen Orthographie / bearb. von U. Wiesendanger
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die Wohltat belohnen, die ich dir bewiesen habe?Ichkann dich nicht anders behandeln, sagte das Gespenst,unddamit du dich seihst davon überzeugest, höre meine Geschichte! Ich hin einer jener rebellischen Genien, welche sich demWillen der Gottheit widersetzt haben. Alle andern Genienanerkannten den grossen Salomon als Propheten Gottes undunterwarfen sich ihm. Sakar und ich waren die einzigen,welche uns nicht dazu erniedrigen wollten. Um sich dafür zurächen, beauftragte dieser mächtige Monarch den Assaf, seinenersten Minister, mich gefangen zu nehmen. Dieses wurde aus-geführt. Assaf stellte mich als Gefangenen vor den Tron seinesKönigs. Salomon, der Sohn Davids, befahl mir, meine bis-herige Lebensweise aufzugeben, seine Macht anzuerkennen undmich seinen Geboten zu unterziehen. Ich weigerte mich barsch,ihm zu gehorchen, und ich wollte mich lieber seinem Zorneaussetzen, als ihm den Eid der Treue und Ergebenheit leisten.Um mich zu strafen, schloss er mich in dieses kupferne Gefässein, und um sicher zu sein, dass ich aus meinem Gefängnissenicht entfliehe, drückte er selber auf diesen bleiernen Deckelsein Siegel, worauf der grosse Käme Gottes eingegraben ist.Nachher übergab er das Gefäss einem der Genien, die ihmgehorchten, mit dem Auftrage, mich ins Meer zu werfen, waszu meinem grossen Bedauern geschah. Während des erstenJahrhunderts meiner Gefangenschaft schwur ich, dass ich jeden,der mich vor Yerfluss der hundert Jahre befreien würde, reichmachen wolle; aber das Jahrhundert verstrich, und niemandleistete mir diesen Liebesdienst. Während des zweiten Jahr-hunderts nahm ich mir vor, dem alle Schätze der Erde zueröffnen, der mich in Ereiheit setzen würde; aber ich warnicht glücklicher. Im dritten versprach ich, meinen Befreierzu einem mächtigen Monarchen zu machen, immer als Schutz-geist bei ihm zu bleiben und ihm tagtäglich drei Bitten zugewähren, welcher Art sie auch sein möchten. Aber diesesJahrhundert verstrich wie die beiden andern, und ich bliebimmer in demselben Zustande. Endlich, verdriesslich oder viel-mehr wütend, so lange gefangen zu sein, tat ich den Eid, dass,wenn in Zukunft mich jemand befreien sollte, ich ihn ohneErbarmen töten wolle und ihm einzig die Wahl der TodesartWiesendanger, deutsches Spracbhuch. IL 3