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heit weitaussehende Pläne, die er nicht sowohl sich deutlichdachte, als mit Feuer ergriff. Beharrlich, die Schwierigkeitenzu überwinden, verwickelte er sich immer mehr. Nachdem erin früher Jugend gegen Jacques de Balain, den herrlichstenRitter, im Waffenspiel, und an der Seite seines Vaters zwei-mal in Schlachten gestritten, alsdann in Montherie über denKönig den Frieden von Conflans erkämpft, Dinant vertilgtund den Stolz von Gent gebrochen, hielt er nichts für un-möglich , folgte nur sich, machte seinen Willen zum Gesetzund hielt einen allezeit kriegerischen Stand. Mit seinem Mutwar verbunden, dass er meist mit Offenheit handelte; seineArt war so, dass niemand Hinterlist von ihm argwohnte. Dochhat aus Vergrösserungsabsichten auch er in Traktaten sichdieselbe erlaubt. Einige sind überwiesen worden, dass sie aufseinen Antrieb den König Ludwig XI. und den Dauphin habenvergiften wollen, was der Herzog sich erlaubt haben mochte,weil er Karl von Guienne, des Königs Bruder, durch den Königebenso von der Welt gebracht glaubte. Voll der grösstenProjekte, für deren systematische Behandlung seine Fassungs-kraft nicht gross genug war, wusste er hei Aufwallung seinerLeidenschaften sich öfters nicht zu helfen. In Friedenszeitenwar er in Andachtsübungen morgens und abends ziemlichgenau; hingegen ist getadelt worden, dass er alles seiner Ein-sicht zuschrieb, ohne zu erkennen, wie entscheidend die vonder ersten Ursache geführte Zusammenordnung der Umständeist. Almosen betrachtete er wie König Ludwig XI. von Frank-reich als durch die christliche Religion vorgeschriebene Pflicht,worin den Regungen des Herzens zu folgen sei; sonst war erin Freigebigkeiten ohne Zurückhaltung bedächtig. Er ehrtesich zu sehr, um sich mit Speisen oder mit Wein zu über-füllen. So wenig er auf Tanz und weiblichen Umgang hielt,so gut wusste er, wo es sein musste, mitzuhalten. EinemFürsten, der die Gemüter gewinnen soll, darf nichts fremd,und was er tut, nie ungeschickt sein; daher, da er eine musi-kalische Stimme sich nicht geben konnte, er den Mangel durchTheorie der Kunst bedeckte, und seine Hofmusik eine derersten blieb. Übrigens hatte er seine Lust an Wildschweins-jagd, Reiherbeize und mannigfaltiger Waffenübung, worin er,wie in allem, unermüdet war. Auch übertraf er die meisten