und um halb fünf Uhr fuhren wir mit gutem und starkemWinde ab. Meine Meta* wurde davon gleich seekrank.
Ich hätte Ihnen dieses mal wieder ein kleines Journalvon unsrer Reise geschrieben; allein wir hatten die Kajütenicht für uns allein bekommen können, und ein gar nichtgrosser Tisch gehörte sieben Personen zu. Gegen 12 Uhr zogöstlich ein Gewitter herauf. Ich zeigte es dem Schiffer an,der es schon bemerkt hatte. Er wartete noch einige Minuten;dann liess er die Segel einziehen. Dies geschah zwar schnellgenug, aber doch nicht so schnell, dass sie schon völlig ein-gezogen gewesen wären, als der Sturm kam. Ich erschrakzwar anfangs ein wenig, fasste mich aber bald. Nachdem ichmit meiner Meta ein paar Minuten gesprochen hatte, ging ichwieder aufs Verdeck und hielt mich oben am Steuer an einemBesantau; denn es war nicht möglich zu stehen, ohne sich zuhalten. Die See sah schön und schrecklich aus. Die Wellengingen viel höher, schäumten viel mehr und schlugen vielstärker an das Schiff als vorher. Um nicht zu treiben, hattenwir noch zwei Segel behalten: das am Besän und ein kleinesNordersegel. Wir segelten also, aber wir durchschnitten dieWellen nicht mehr genug. Das Schiff schwankte also auf undnieder, bald auf die linke, bald auf die rechte Seite. Landsahen wir wohl; aber der Wind kam vorn Lande.
Der Schiffer steuerte, so viel er konnte, nach dem Lande;ich weiss nicht, ob er Anker werfen oder noch näher kommenwollte; denn hier gingen die Wellen nicht so hoch. Nach un-gefähr drei Viertelstunden legte sich der Sturm. Die Zuckungendes Windes hörten zwar nicht völlig auf; aber sie wurdenmerklich schwächer. Weil wir immer fortsegelten, und unsunsre Richtung ohnedies näher an die Inseln brachte, der Windzudem nach und nach seine Zuckungen verlor: so segeltenwir nun geschwind und auf die angenehmste Weise von derWelt. Wenn ich die Augen zumachte, so war es mir, als wennmh in einer Schaukel, die sich kaum bewegte, an einem Wehrsässe.
Gegen Abend warfen wir an der Spitze von Falster oderam grünen Sunde, wie es die Fischer nennen, unter dem Schutze
Margaretha, Klopstocks erste Gattin, gest. 1757.