128
einer kleinen Anhöhe, die mit Wald bedeckt war, Anker.Wir lagen da wegen widrigen Windes bis an den andernMittag; dann lichteten wir die Anker und fuhren etwa eineViertelmeile. Allein da wurde der Wind wieder so widrig,dass wir umkehren und wieder an der vorigen Stelle ankernmussten. Des Nachmittags wurden Wind und Luft gelinder,und wir segelten wieder. Es wurde so angenehm warm, dassalle aufs Verdeck kamen. Des Abends um 10 Uhr ankertenwir an einer Anhöhe von Seeland, die nicht weit unter Amackliegt, nicht wegen widrigen Windes, sondern weil unter AmackTonnen ausliegen, die man muss sehen können, wenn man dortsegeln will. Des Nachts um 2 Uhr reisten wir von dort ab.Nicht weit von Amack begegnete uns ein grosses englischesSchiff mit vollen Segeln, die man beisetzen kann. Wir grössteneinander durch lautes Zurufen. Nach ein paar Stunden fuhrenwir an einem dänischen Kriegsschiffe, das von Marokko zurück-gekommen war und vor Anker lag, vorbei. Wir wurden vonMatrosen und Soldaten, wovon das ganze Verdeck wimmelte,mit ihrer grössten Ehrenbezeugung, die auch eine Prinzessinvon ihnen anhören muss, begrüsst; sie besteht darin, dass siezehnmal hurrah! rufen. Wir kamen um 10 Uhr glücklichaus Land.
Wir grüssen Sie alle herzlich!
P. G-ottlieb Klopstock.
3. Klopstock an seine Muttex*.
Kopenhagen, den 16. November 1756.
Wie sehr uns die Nachricht von unsers so teuren, geliebtenseligen Vaters Tode gerührt hat, können Sie sich vorstellen,liebe Mutter! Wir danken Ihnen, dass Sie durch Giseke habenan Krämer schreiben lassen. Es war uns sehr nötig, dass wirjene Nachricht nicht durch einen schwarzen Brief empfingen.Am Sonnabend sagte uns Krämer davon, und am Sonntagebekamen wir Ihren Brief.
Ich will unsre Wunde nicht weiter aufreissen. Unser Gotthat es so gewollt. Sein Name sei gelobt, dass er unserm teurenVater ein so schönes Ende gegeben hat! Er ist nun viel glück-seliger als wir. Der Name des Herrn sei gelobt.
Sobald es Ihnen Ihr Schmerz zulässt, liebste Mama! so