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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 3. Teil (zweite Hälfte) / Neueste Geschichte bis zur Gegenwart
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„auszupressenden Schwamm"' erklärten, betrachtete die Staatsein-nahmen als sein Privateinkommen. Er hatte einen Marstall von 4000Pferden, eine Leibgarde von 9000 Mann und etwa 4000 Personenzu seiner Bedienung und brauchte allein für seine „Haushaltung" 68Millionen (nach heutigem Geldwert mindestens das Doppelte) jährlich.Für die Pompadour hatte er 36 Millionen ausgegeben; die Dubarrykostete ihn in fünf Jahren 185 Millionen. Aber auch die Verwandtendes Königs, die Prinzen und Prinzessinnen „von Geblüt" waren ge-wohnt, aus der Staatskasse zu schöpfen, wie wenn es ihre eigene wäre,und wetteiferten miteinander an Luxus und Verschwendung. DerAdel, nicht damit zufrieden, daß er den dritten Teil des Grundes undBodens sein eigen nannte und doch von den meisten öffentlichen Lastenbefreit war, nahm die reichbezahlten Hofämter, die Offiziersstellen, sowiedie hohen geistlichen Würden, Bistümer und Abteien als sein ausschließ-liches Vorrecht in Anspruch. Außerdem bezog er ungezählte Millionenjährlich aus der Staatskasse an Geschenken, Pensionen und Besoldungenfür Scheinämter, die mit hohen Einkünften und gar keiner Arbeit ver-bunden waren. „Man gab den Pferden des Adels das Brot, das demVolke mangelte." Die Geistlichkeit, die ein zweites Drittel vomBoden des Reiches inne hatte, erhob außerdem noch 150 Millionen anZehnten und sonstigen Gebühren, trug aber ebenfalls zu den Staats-lasten so gut wie nichts bei. Diese ruhten daher fast ausschließlich aufdem dritten Stande, den Bürgern und den Bauern, und wurdennoch vermehrt durch die schlechte Art der Erhebung. Die Regierungvermietete nämlich einen großen Teil der Abgaben an Steuerpächter,welche ihr eine bestimmte Summe bezahlten und durch ein zahllosesHeer von Beamten das Doppelte und Dreifache vom Volk erpreßten.Von 165 Millionen, die in einem Jahre erhoben wurden, flössen96 Millionen in die Taschen dieser Blutsauger. Dazu kam noch, daßeinzelne Städte und Provinzen das Vorrecht besaßen, von gewissenSteuern völlig oder teilweise ausgenommen zu sein;*) umso elender

*) Die Salzsteuex tzs,bslls) war z. B. so ungleich, daß dasselbe MaßSalz hier mit 6, dort nnt 62 Fr. bezahlt werden mußte. Der gewöhnliche Preisdes Pfundes war ll/e Fr. nach heutigem Geldwerte. Dabei war der Bauer