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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 3. Teil (zweite Hälfte) / Neueste Geschichte bis zur Gegenwart
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fühlte etwas dergleichen; aber er tröstete sich mit den Worten derPompadour: »Nach uns die Sündslut (aprds nou8 le cköluAe)!* undjagte die Minister fort, die ihm von Reformen sprachen.

3. Ludwig XVI.; Turgot und Malesherbes; Necker(177489). Endlich starb der greise Wüstling, und ihm folgtesein Enkel Ludwig XVI., ein Mann von reinen Sitten und gutemWillen, aber schwach an Verstand und Charakter. Anfangs rief erzwei ausgezeichnete, volksbeliebte Minister an seine Seite, den berühm-ten Oekonomisten Turgot und den edlen Malesherbes, der es ge-wagt hatte, als Präsident eines hohen Gerichtshofes dem Throne herbeWahrheiten zu sagen. Durch großartige Reformen wollte Turgot demElend des Landmannes abhelfen, die Steuerprivilegien der höhernStände, die Fronen und Feudalrechte, die Zünfte und innern Zölleabschaffen, den Gemeinden die Selbstverwaltung zurückgeben und denallgemeinen Volksunterricht einführen. Aber bei den ersten Versuchenerhob sich unter den Bevorrechteten ein Sturm des Unwillens, unddiese fanden an den Brüdern des Königs, sowie an seiner GemahlinMarie Antoinette, der schönen, aber flatterhaften Tochter MariaTheresias, mächtige Fürsprecher. Solchen Einflüsterungen vermochteLudwig XVI. nicht zu widerstehen; er entließ die beiden Minister, ob-wohl er selber zu Turgot sagte: »Nur Sie und ich lieben das Volk.*Hierauf nahm der Hof in seiner Geldnot zu dem Genfer Necker Zu-flucht, der sich als Bankier in Paris ein bedeutendes Vermögen undden Ruf eines großen Finanzmannes erworben hatte, und vertrauteihm unter dem Titel eines »Direktors der Finanzen* die Regierung an.Durch seinen bloßen Namen verschaffte Necker dem überschuldeten Staatewieder Kredit, so daß es ihm leicht wurde, Anleihen aufzunehmen unddadurch den großen Ausgaben zu genügen, welche der eben ausbrechendeamerikanische Unabhängigkeitskrieg erforderte. Aber er wußtewohl, daß der Staat so wenig wie ein Privatmann ewig vom Schulden-machen leben kann. Er drang daher beim Hofe auf Ersparnisse, unter-drückte Hunderte von unnützen Aemtern, verlangte, daß man dem Adeldie Pensionen beschneide, und wagte es, die öffentliche Meinung zuHilfe zu rufen, indem er in einem »Rechenschaftsbericht* die trostlose