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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 3. Teil (zweite Hälfte) / Neueste Geschichte bis zur Gegenwart
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Anstiften dieser unbequemen Mahner durch einen »Staatsstreich*,indem sie ihre Kollegen unter dem Vorwand einer royalistischen Ver-schwörung verhafteten und zur Deportation verurteilten. Carnot undandern gelang es zu entkommen, die übrigen wurden nach Cayenne,einer französischen Besitzung in Südamerika, die der Volkswitz wegenihres mörderischen Klimas die »trockene Guillotine* taufte, eingeschifft.So sah sich Frankreich durch die eigene Regierung wieder aus der Bahnder Gesetzlichkeit, die es kaum beschickten hatte, hinausgeworfen. Wodie rohe Gewalt herrscht, ist der Stärkste Meister und dies war un-bedingt Bonaparte, der Abgott der Soldaten, nach dessen Willen sichdas Direktorium zu richten hatte. In seinem Kopfe war der aben-teuerliche Plan gereift, England, den einzigen noch unbesiegten Feind,an der Quelle seines Reichtums anzugreifen, im Morgenlande, wo essich eben ein gewaltiges Reich in Vorderindien aufgerichtet hatten *)Diesen Zweck hoffte er durch einen Zug nach Aegypten zu erreichen,aus dem er ein französisches Indien zu machen und von wo aus erdie Engländer am Ganges zu erreichen gedachte. Um bei der Leere

*) Um die Zeit der Entdeckungen hatte ein Urenkel Timurlenks in Dehlidas Reich des Großmoguls gestiftet, das bald ganz Vorderindien mitAusnahme der europäischen Besitzungen an der Küste umfaßte. Im Anfangdes 18. Jahrhunderts zerfiel dieses Reich und die einzelnen Statthalter oderNabobs" machten sich unabhängig. Dies benutzten zunächst die Franzosen,die sich unter Colbert in Pondichsry festgesetzt hatten, um sich an der Ostküsteein ansehnliches Reich zu bilden. Aber während des Siebenjährigen Kriegesvernichtete der Engländer Clive ihre Macht und gewann zugleich Bengalenfür die englisch-ostindische Kompagnie, indem er 1757 bei Plassi mit 1000Europäern das 50,000 Mann starke Heer des Nabobs von Bengalen in dieFlucht schlug. Damit war der Grund des anglo-indischen Reiches gelegt.Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges suchten die Franzosen diesesim Bunde mit dem tapfern Haider Ali, dem Herrscher von Maissur, undseinem Sohne Tippn Saib zu vernichten; allein der Gouverneur WarrenHastings, im übrigen ein durch Grausamkeit und Habgier befleckter Charakter,wußte es durch seine überlegenen Fähigkeiten zu retten und zu vermehren.Durch Bonaparte aufgereizt, erhob sich Tippu Saib nochmals, aber zu seinemVerderben; seine Hauptstadt Seringapatam wurde 1799 erstürmt und erselbst getötet. Von da an war Indiens gänzliche Unterwerfung durch dieBriten nur noch eine Frage der Zeit.