Band 
Erster Teil. Altertum und Mittelalter.
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des Reiches, sowie eine Menge Volkes beteiligten. Da wurden Vorschlägegemacht und dnrchberaten, und erst was hier gefallen hatte, war Gesetzund wurde als solches in ein eigenes Buch (Eapitularien) eingetragen.

Um aber dann auch für ihre Beobachtung zu sorgen und zugleichdie Amtsführung der Gangrafen zu überwachen, sandte der Kaiser jährlichviermal besondere Abgeordnete („Sendboten") durchs Land, die ihm überalles, was in den Provinzen vorging, Bericht erstatten mußten.

Zum Kriegsdienst war jeder Freie, der vier Hufen Landes besaß,verpflichtet. An der Spitze einer größeren Abteilung stand der Herzog.

Für den Handel sorgte Karl durch Anlegung von Straßen, durchRegelung von Maß und Gewicht, sowie durch Anknüpfung weitgehenderHandelsverbindungen. Ja, er machte sogar schon damals den Versuch, denRhein und die Donau durch einen Kanal zu verbinden.

Zur Pflege der Landwirtschaft und des Ackerbaues wurden Wild-nisse ausgerodet und urbar gemacht, neue Produkte und Sämereien ausder Ferne herbeigeschafft und die Ländereien verteilt. Auch wurden eigeneVorschriften erlassen über Vieh-, Geflügel- und Bienenzucht, über Feld-,Wein- und Obstbau. Ja, am Hofe selbst bestand eine Art „landwirt-schaftliche Musterschnle" und wie als Feldherr und König, so galt Karlauch als der erste Landwirt seiner Zeit.

Am meisten aber lag Karl der Unterricht und die Bildung seinesVolkes am Herzen. Wo ein Bischof oder ein Kloster war, mußten des-halb auch Schulen errichtet »verdcn; ja, jeder Pfarrer hatte in seiner Ge-meinde auch im Rechnen, Schreiben und Lesen, Unterricht zu erteilen, unddie Eltern waren verpflichtet, ihre Kinder auch in diese Schulen zu schicken.Wehe aber den faulen und trägen Schülern! Denn nicht selten wohnteder Kaiser auch selbst dem Unterrichte bei oder nahm die Prüfung ab;und keiner war dann, der nicht nach Verdienst entweder Lohn oder Strafeerhalten hätte. So fuhr er einmal vornehme, aber nachlässige Knaben inheftigem Zorne also an: „Ihr hochgebornen, ihr zierlichen und hübschenHerrchen, die ihr euch verlaßt auf eure Abkunft und euren Reichtum!Beiin Herrn des Himmels! Ich gebe nicht viel auf euren Adel undeuer hübsches Anssebcn! Seid dessen versichert: Wenn ihr nicht eiligsteure Nachlässigkeit mit aller Anstrengung wieder gut macht, so habt ihrvon Karl nichts Gutes zu erwarte»!"

Um sich selbst sammelte Karl einen Kreis von Gelehrten, unter de-nen Alcuin, ein irischer Mönch, und Eginhard, dessen Schüler und Karlsspäterer Lebensbeschreiber, sich besonders auszeichneten. Ebenso halsenitalienische Sänger den Gottesdienst verherrlichen und führte» italienischeBauleute nach vaterländischen Mustern die herrlichen Königspaläste (Pfalzen)zu Aachen und Jngelheim auf.

10. Karls Tod. Karl der Große starb, 72 Jahre alt,814 im Jahre 814. Sein Leib liegt begraben zu Aachen, woer auch geboren war; sein Andenken aber lebte fort durch dieJahrhunderte im Herzen seines Volkes in endlosen Sagen,in Gedichten und Liedern, und darum wurden dort, wo seineKrone und sein Schwert ruhen, auch noch jahrhundertelang