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Schweden erhält fast das ganze Küstengebiet an derNord- und Ostsee.
Holland und dieSchweiz werden als unabhängigeRepubliken anerkannt.
3. Reichsverfassung. Am schwersten trafen den Kaiserdie Bestimmungen über die Reichsverfassnng. Fürstenund Städte erhielten nämlich eine Menge von Vorrechten,so daß der Name „Kaiser" beinahe zum leeren Titel wurde.
Schrecklich waren im allgemeinen die Verheerungen des Kriegesgewesen.
Der Bauern st and >var zwar im Bauernkriege niedergeworfenworden, doch im Laufe des sechzehnten Jahrhunderts wieder erstarkt.Der Bauer hatte seinen hübschen Hausrat, seine Sparpfennige in derTruhe, reichliches Vieh auf der Weide und im Stalle. Der Krieg ver-nichtete diese ganze Blüte. Die Dörfer lagen in Asche, der Biehstandging ein: das Feld verwuchs und ward stellenweise wieder zu Wald; dieLeichen blieben unbegraben; die Dorfhunde rotteten sich zusammen wieHerden Raubtiere, und zu dem Elende des Krieges kamen die unausbleiblichenPlagen des Hungers und der Pest. In der zweiten Hälfte des Kriegesweigerte sich ein schwedischer General, sein Heer von Pommern nach Süd-dentschland zu führen, weil durch die dazwischen liegende Öde sein Ver-lust größer sein würde, als durch die blutigste Niederlage. In einzelnenGegenden, wie in Schlesien, Thüringen und Mecklenburg, hatte der Kriegbesonders grausam gehaust. In der Grafschaft Henneberg waren 75 Prozentder Familien, 66 Prozent der Wohnungen untergegangen. Hessen zähltean verbrannten Ortschaften 300 Dörfer, 17 Städte und 47 Schlösser,Württemberg 45 Dörfer und 8 Städte. Im Bistum Freising zähltenmanche Dörfer, die früher 400 Einwohner hatten, nur noch 20; manchewaren ganz verödet.
Aus der allgemeinen Verwüstung ragten inselartig noch die Städtehervor, aber in welchem Zustande! Der große Krieg hinterließ auch hiernur Elend. Den kleineren Städten erging es meist nicht besser als denDörfern. Größere, befestigtere überdauerten wohl: aber dann waren siedurch Umlagerung so oft geängstigt, durch Kriegszahlungen und Brand-schatzungen so erschöpft, durch Hunger und Pest so entvölkert, daß vieleHäuser und Straßen in Trümmern liegen blieben. So hatte Berlin nachdem Kriege noch 6000 Einwohner, d. h. etwa den vierten Teil seinerfrüheren Zahl; 200 Hünserstellen lagen wüst; die Häuser selbst warenmit Stroh und Schindeln gedeckt, die nngepflasterten Straßen auf beidenSeiten mit Ställen und Zäunen verunziert. In Augsburg war die Ein-wohnerzahl von 80000 aus 18000 herabgesunken; Göttingen besaß nachdem Kriege nur noch die Hälfte seiner Bürger, und in Nordheim gabes nach dem Kriege noch 150 Bürger, von denen nur 40 Steuern zahlenkonnten, ')
') Bergt. st. gallisches Lesebuch für Realschulen ll. T. S. 319 .