Band 
Zweiter Teil. Die neuere und neueste Zeit.
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das Wohl und Wehe des Landes zn beraten. Des KönigsWille sollte fortan Recht und Gesetz sein.

Nach außen suchte Richelieu gleich Heinrich IV. auf jedeWeise Frankreich zum Übergewichte zu verhelfen. Daher kamauch die Einmischung Frankreichs in den Dreißigjährigen Krieg.

In dieselben Fußstapfen trat Richeliens Nachfolger,Kardinal Mazarin, der für Frankreich beim westfälischen165,9 Frieden unterhandelte. Ebenso schloß er 1659 mit Spanienden pyrenäischen Frieden, durch welchen die Pyrenäenals Grenze zwischen Spanien und Frankreich bestimmt wur-den. Endlich führte er auch den Krieg gegen den franzö-sischen Adel (Krieg der Fronde), der sich seiner Rechte undFreiheiten wehrte.

Unterdessen war Ludwig XIII. gestorben und Ludwig XIV.(1643—1715) bestieg den Thron. Doch, da er beim Todeseines Großvaters noch ein Kind war, regierte er selbständigerst von 1661 an.

b) Ludwig XIV.

( 1643 — 1715 .)

1. Ludwig XI V. als Regent. Ludwig XIV. war ein tüch-tiger Regent, aber herrschsüchtig, gewaltthätig und rücksichts-los. Um sein Ziel zu erreichen, war ihm kein Mittel znschlecht und kein Krieg zu ungerecht.

Ludwigs oberster Grundsatz war: „L’Etat c’est moi“ — „DerStaat bin ich." Auf das Volk also hörte er gar nicht mehr; was erwollte, das hatte zu geschehen. Dabei war er außerordentlich verschwen-derisch und prachtliebend. So baute er sich in der Nahe von Paris, inVersailles, eine Residenz, die an Großartigkeit und Glanz ihresgleichensuchte auf dem Erdboden.

Dagegen wurde Paris durch seine Mode und seine Spracheunter Ludwig wirklich maßgebend für halb Europa, ja für die halbe Welt.

Insbesondere blühte unter ihm die französische Litteratur mitDichtern wie Racine, Corneille, Molibre und Rednern wie Fnnelon,Bossnet, Bonrdalone, Massillon, so daß Ludwig nicht selten mit demAngnstns der Römer verglichen und seine ganze Regierungszeit das gol-dene Zeitalter Frankreichs genannt wurde.

Dazu verstand es der Finanzminister Colbert trefflich, die Staats-kasse immer hübsch gefüllt zn erhalten und zwar nicht dadurch, daß er dieSteuer, wohl aber die Steuerkraft des Volkes erhöhte. Dieses erreichteer, indem er, wie Heinrich IV., Handel und Gewerbe förderte, Schutzzölleeinführte, Straßen baute, den Kanal von Langn edoc anlegte u. s. w.