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Zweiter Teil. Die neuere und neueste Zeit.
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das Gepäck bestimmten Pferde den Bauern zurückgeben. In denjenigenProvinzen, welche am meisten durch den Krieg gelitten hatten, wurde einallgemeiner Steuererlaß bewilligt. Die zerstörten Häuser wurden auskönigliche Kosten wieder aufgebaut und die Überschüsse der königlichenKassen größtenteils zur Unterstützung der am schwersten geschädigten Fa-milien verwendet.

Zur Beförderung des Handels legte Friedrich in Berlin eine Bankan, zu welcher er einen Fond von acht Millionen Thalerii hergab. Umdie Erträgnisse des Ackerbaues noch zu vermehren, wurden große StreckenLandes urbar gemacht. Auch den Wäldern, die während des Krieges inunverantwortlicher Weise ausgerodet worden waren, wurde eine besondereSorgfalt zu teil.

Die Gerechtigkeitspflege war unter Friedrich II. eine ebenso strengeals unparteiische; auch die ärmsten Unterthanen waren gegen Bedrückungund ungerechte Urteile geschützt. Am meisten that Friedrich für den wis-senschaftlichen Unterricht, weniger für die Volksschule. In allen Berwal-tnngszweigen war er persönlich bis an sein Lebensende in umfassenderWeise thätig und auf seinen jährlichen Inspektionsreisen zog er über allesbis in die kleinsten Einzelnheiten die genauesten Erkundigungen ein.

Mitten im Frieden aber versäumte Friedrich auch nicht, den ge-sunkenen Kriegsstand neu zu kräftigen. Den Kern des Heeres hatte derKrieg hinweggerafft: die meisten Regimenter bestanden fast nur noch ausÜberläufern, Ausländern und ganz jungen Landeskindern. Von den letz-teren wurden viele in die Heimat entlassen, um ihre Kräfte dem Landbanzu widmen. An ihre Stelle traten dienstlose Ausländer. So entstandein ganz neues Heer, das erst wieder eingeübt werden mußte. Diesesaber geschah mit einem Eifer, als gelte es einen abermaligen Krieg. Fürdie Offiziere schrieb Friedrich selbst, gestützt auf die im Kriege gemachtenErfahrungen, eine Militär-Instruktion.

Die Mittel zu all' den großen Ausgaben fand der König zum gro-ßen Teile in seiner eigenen Sparsamkeit; denn sein Aufwand beschränktesich seit dem Hubertsbnrger Frieden aus das geringste Maß. Namentlichaber erhöhte Friedrich die indirekten Steuern; auch führte er eine Reihevon Monopolen ein, wie z. B. das Tabaksmonopol, das Kaffee-, Zucker-,Salzmonopol u. s. w.

So hinterließ Friedrich II., als er starb, trotz aller Kriege ein Reichvon 6 Millionen Einwohnern, während es beim Tode seines Vaters nichteinmal 2 ‘/ü Millionen zählte, ebenso ein Heer von 200,000 gegenüber76,000 Mann und endlich einen Staatsschatz von 72 gegenüber von 8'/rMillionen Thaler?)

Über die Person Friedrichs erzählen die Geschichtsschreiber: „Fried-rich II. war nur von mittelmäßiger Größe, aber wohlgebildetem Körper.Sei» Kopf hing ein wenig nach'der rechten Seite hin. Sein Gesicht warweder mager noch voll, die Nase lang, aber gut gebildet. Aus seinenAugen strahlte die Lebhaftigkeit und das Feuer seines Geistes. Sie kün-digten seine Gemütsbewegnngen und Leidenschaften deutlich an und drück-ten vorzüglich den heftigen Zorn aus eine schreckbare Weise aus. Seinganzes Gesicht zeigte Strenge und Ernst und flößte Ehrerbietung und

*) Bergs. Klein, a. a. O. S. 527 *