Band 
Zweiter Teil. Die neuere und neueste Zeit.
Seite
62
JPEG-Download
 

62

8. Die Baukunst. In der Baukunst war vom Anfange des 16.bis zum Ende des 18. Jahrhunderts der Stil der Renaissance(Wiedergeburt der antiken Kunst) vorherrschend. Dieser Stil strebt vorallein nach weiten Räumen; anstatt des Kreuzgewölbes wendet er vielfachdas Tonnengewölbe oder die flache Decke an; die Verzierungen entlehneer der alten griechischen und römischen Kunst. Das bedeutendste kirchlicheBauwerk im Renaissance-Stil ist der Petersdom in Rom. Ein Haupt-werk der weltlichen, deutschen Renaissance ist das Heidelberger Schloß.

9. Die Naturwissenschaften. Insbesondere aber wurden jetzt auchdie Naturwissenschaften und unter diesen wieder die Sternkunde gepflegt.So kam man um eben diese Zeit auch auf den Gedanken, daß die Erde einPlanet sei und sich gleich seinen Genossen vielmehr um die Sonne, als dieseum die Erde sich bewege. Die berühmtesten Vertreter dieser Wissenschaft warenKopernikus in Preußen, Kepler in Württemberg und Galilei in Ita-lien. Im Jahre 1654 entdeckte Otto von Gnericke in Magdeburg die ersteElektrisiermaschine und die Luftpumpe. Im Jahre 1709 erfandman das Porzellan und ebenso schon 1590 das Fernrohr, 1668den Thermometer, 1643 den Barometer, 1673 das Sprachrohrund endlich 1752 den Blitzableiter lBenjamin Franklin). Ebenso ver-danken wir schon um das Jahr 1763 dem Engländer Watt die Erfindungder Dampfmaschine, und 1778 ebenfalls dem Engländer Edgeworlhdie Eisenbahn, während der Franzose Montgolfier 1782 den ersten Luft-ballon erstellte.

d) Aandrl und Gewerbe.

1. Der Buchhandel. Wie die Erfindung der Bnchdrnckcrknnst fürdie Wissenschast, so schufen die neuen Länderentdecknngen, wie bereits beider Entdeckung Amerikas bemerkt wurde, besonders für den Handel undVerkehr zum Teil ganz neue Verhältnisse und Gesichtspunkte.

Auch die Bnchdrnckerknnst selbst hatte großen Einfluß aus den Handel.Während nämlich zunächst die Buchdrucker den Verlag geistiger Erzeug-nisse unternahmen, besorgten die „Buchführer" (Buchhändler) den ver-trieb im Kleinen und durch das ganze Reich. Später trennte sich derBuchhandel völlig von dem Druckergewerbe; die Verleger aber benutztennach wie vor den einmal eingeschlagenen Weg, ihre Sachen den Bnch-sührern zu weiterem Verkaufe zu übertragen.

2. Der Handel im allgemeine». Die erste Stelle aber unter denhandeltreibenden Nationen nahm bald, wie auch heute noch, England ein.Ihm folgten die Niederlande, Spanien und Portugal. Den Binnenhandelverstand namentlich Frankreich zu heben. Später wurde der französischeMinister Colbert mit seinen Handelsgrundsätzeu („Merkantil-Shstem") auchder Lehrmeister für Kurfürst Friedrich Wilhelm von Preußen. Wie inFrankreich, so fanden sich auch in Deutschland Schutzzoll und bevorrechteteFabriken, Ein- und Ausfuhrverbote neben teilweiser Steuerbefreiung vonGewerbetreibenden.

3. Das Gewerbe. Unter den Handwerkern wurde der Zunft-zwang aufgelöst und an seine Stelle trat das freie Gewerbe. Doch kamauch bald wieder die Maschine, die zahllose Arbeitskräfte ersetzte undso verbunden mit der Gewerbefreiheit neues Elend herbeiführte.