Band 
Zweiter Teil. Die neuere und neueste Zeit.
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e) Das Kriegswesen.

Die «leisten Neuerungen wurden vielleicht im XVII. Jahrhundertim Kriegswesen eingeführt.

I. Die Krieger. Der Kriegsknecht wurde geworben und bliebtrotz seiner guten Bezahlung, die besonders Wallenstein übte, ein freierMann. Nach der kaiserlichen „Berpflegungsordonnan;" vom 1. Januar1639 bezog der Soldat 6—I» Gulden monatlich, wovon wenigstens dieeine Hätfte bar, die andere in natura ausgerichtet wurde. Die Hanpt-lente bezogen 150 Gnlden monatlich, die Obersten dagegen 1100— 1200Gulden. Wer indessen nicht einem altadeligen Geschlechte angehörte undhervorragender Familienverbindung sich rühmen konnte, der mußte wenig-stens eine Truppe ans seinem eigenen Vermögen werben können, wollteer Hanptmann, Rittmeister oder gar Oberst sein. Auch fremde Namenfür die Hauptleute wnrden eingeführt; der Fähnrich der Reiterei wurde;:im Dornet, der Oberwachtmeister zum Major, der Oberst zumEarotinal, der Heerführer zum General.

2. Die Kriegsführung. In der Kriegsführung selbst traten mannig-fache Neuerungen auf. Kaiser Maximilian I. hatte als Grundeinheit desFußvolkes das Fähnlein festgesetzt (100 lange Spieße, 200 Helmerten,50 Schlachtschwerter, 50 Feuerrohre). Unter Karl V. gewann besondersdie Feuerwaffe ein größeres Übergewicht. Schon bei Mühlberg kamenstarke Abteilungen von Schützen (Musketieren) zur Verwendung. DerKaiser ging sogar weiter; in der nämlichen Schlacht erschienen zum ersten-male berittene Feiierschützen, die Dragoner. Dazu verfügte er über die„schwarzen Ritter", welche nach Art unserer heutigen Kürassiere ausge-rüstet waren. Das Geschützwesen, bereits im 15. Jahrhundert durch dieEinführung der Lafette verbessert, erfuhr unter Karl V. nur geringe Be-achtung, soweit es für den Kampf im Felde benutzt wurde. Dagegenzeigte es sich als gefährlichen Gegner veralteter Befestigungen.

Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges kämpfte die Infanterie nachschwedischem Muster nnter ausgiebiger Benutzung der Feuerwaffe, dieGustav Adolf verbesserte. Die Artillerie erleichterte ihr Geschützmaterial(schwedische Lederkanonen), verringerte die Kaliber und ersand die Kar-tätschen. Gustav Adolf war der erste, der den Hauptstoß durch Geschützvorbereitete. Sein Shstem scheiterte aber an den Erdwerken der Wallen-steiner. —

d) Sitten und Gebräuche.

1. Die Hexenprozesse. Leider herrschte im 16. und 17. Jahr-hundert mehr den» je der unglückliche Hexenwahn. Einer der ersten Bor-kämpser gegen denselben, der berühmte Jesuitenpater Friedrich vonSpee erzählt: „die Vorstellung vom Teusel beherrscht gegenwärtig dieKöpfe mehr, als der Gedanke an Gott. Geschieht irgend ein Unglück,gibt es langen Regen, Mißwachs, Dürre, Viehseuchen, Krankheiten, plötz-liche Todesfälle, Fenersbrünste u. s. w., so heißt es gleich: das habendie Hexen gethan! Wird einer reich auf ganz natürlichem Wege, so stecktHexerei dahinter; ist einer sehr fromm, betet er eifrig, geht er fleißig indie Kirche, gleich heißt es: der Teusel läßt ihm keine Ruhe. — Je heftiger