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und ungestümer nun der Richter dareinfährt, um so mehr wird er wegenseines Eifers für Gerechtigkeit gelobt; er läßt das erste beste Frauenzimmer,gegen das irgend ein Gerede aus Dummheit oder Bosheit sich erhob, meisteine reiche Witwe, aufgreifen; führte sie einen unehrenhaften Wandel,so heißt es: eine Schlechtigkeit stehe mit der andern im Bunde; war ihrLeben unbescholten, so sagt man: sie hat hinter ihrer Ehrenhaftigkeit nurden Verkehr mit dem Teufel zu verstecken gesucht. Leugnet sie, so wirdsie auf die Folter gespannt, um sie zum Geständnis zu zwingen; einenVerteidiger hat sie natürlich nicht, auch würde es niemand wagen, sichihrer anzunehmen, weil er dadurch in den Verdacht der Zauberei geriete.Bekennt sie auf die erste Anwendung der Folter sich als schuldig, so wirdsie verbrannt; bekennt sie nicht, so werden die Qualen der Folter erhöht.Macht sie im höchsten Wahnsinn des Schmerzes ein Geständnis, so fragtman gleich nach den Personen, welche an dem teuflischen Gelage teilge-nommen hätten. Diese werden dann sogleich eingezogen und in gleicherWeise behandelt. So kam es, daß an vielen Orten das Feuer aus derRichtstätte nie vollständig erlosch. Kein Alter, kein Geschlecht, kein Standverlieh Schutz. Kinder mit sieben bis neun Jahren wurden ebenso leicht-sinnig auf den Holzstoß gesandt als Alte, die an der Schwelle des Todesstanden. So nahm die Zahl der als schuldig Erkannten in entsetzlichemMaße zu, und ganze Dörfer, ganze Landschaften wurden verödet."') Ja,gewissenhafte Geschichtsschreiber behaupten, daß die Hexenverfolgungenmehr Opfer gekostet haben, als der Dreißigjährige und der spanische Erb-solgekrieg zusammen.
2. Die Sterndenterei. Mit dem Hexenglauben war die Sterndeu-terei verbunden. Steif und fest glaubte man nämlich, daß die Gestirnedroben am Himmelszelt nicht ohne Einfluß auf das Leben des Menschenseien, und daß der Kundige dessen Geschicke in den Sternen zu lesen ver-möge. So glaubte ja auch Wallenstein, in den Sternen gelesen zu haben,daß er einmal König sein werde. Kepler hatte ihn aus den Sternengeschildert, als „unbarmherzig, ohne brüderliche und eheliche Liebe, nursich selbst ergeben, hart über seine Unterthanen geizig, betrüblich, ungleichin seinem Verhalten, meist stillschweigend." Maßgebend dabei war dieStellung der Gestirne bei der Geburt eines Kindes.
3. Die Kultur im allgemeinen. Einem allgemeinen Wohlständetraten natürlich die endlosen Kriege, namentlich der Dreißigjährige, sehrhinderlich entgegen. Doch besserten sich auch da die Verhältnisse allmäh-lich wieder. Am besten stand Frankreich, wie schon gesagt worden ist,besonders durch die weise Fürsorge seiner trefflichen Minister. Deutsch-land und speziell Preußen blühte neu empor unter Friedrich II., ebensoÖsterreich unter Maria Theresia. Namentlich wurde der Ackerbau gepflegt.
4. Steuern und Abgaben. Dagegen war auch schon früh, umGeld für den Staat und besonders das Heer zu gewinnen, Steuer selbstauf die Lebens- und Genußmittel, wie Salz, Kaffee und auch Tabak ge-legt. Ebenso wurden zum Schutze des Handels Zölle u. s. w. erhoben.Ebenso verschlang, besonders seit Friedrich Wilhelm I., auch das Militärimmer größere Summen, indem er den sogenannten Militärstaat gründete.
*) Bgl. Albertus, Die Sozialpolitik der Kirche. S. 274.