5. Der Tabak. Gleichzeitig begann anch der Tabak seinen Sieges-lauf durch Europa. Soldaten verbreiteten den Genuß des edlen KrautesÄrzte empfahlen ihn als Schutzmittel gegen Pest, die nach dem Dreißig-jährigen Kriege wütete. Das Rauchen („Dabackdrinken") und das Schnupfenkamen zur nämlichen Zeit aus; das Kauen (Schicken) wurde erst späterden englischen Seeleuten nachgeahmt.
6. Kartoffeln und Kaffee. Als neue Nahrungsmittel, zuerst fürdie Vornehmen, später für die breiteren Volksschichten, erschienen die Kar-toffeln und im 17 Jahrhundert der Kaffee.
II. Aus der Schweiz.
a) Au aste und Wissenschaften, Handel und Gewerbe.
1. Künste und Wiffenschaften. Auch in der Schweiz blühte umdiese Zeit vor allem die Wissenschaft neu empor. So errichteten Bern,Basel, Zürich, Schaffhansen, St. Gallen und Lausanne Lateinschulen oderGymnasien. Gehn er in Zürich genoß einen großen Ruf als Natur-forscher, während Joachim von Watt, genannt Vadian, in St. Gallenund Tschudi in Glarns als Gefchichtsschreibcr berühmt waren. Späterveröffentlichte der zürcherische Naturforscher Jak. Scheuch;er sogar eine„Naturgeschichte der Schweiz". Als Dichter glänzte in unserem LandeAlbrecht von Halter ans Bern, als Maler Hans H o l b e i n vonBasel und Wyrsch von Nidwalden, der 1798 von den Franzosen er-schossen wurde.
Den größten Ruhm aber brachten der Schweiz kurz vor dem Aus-bruche der französischen Revolution He i n rich Pesta l o zz i als Erzieherund Bolksbildner, und Johannes von Müller ans Schaffhausenals Geschichtsschreiber.
2. Die Industrie. In St. Gallen blühte die Lcinwandwcbereiund damit vcrbnndcn der Leinwandhandel stark empor, in Appenzell dieHandstickerei. Zürich betrieb die Seiden- und Banmwollenindnstrie,lvährend Basel sich durch seine Seidenbänder große Reichtümer erwarb.Genf und der Jura lieferten Uhren und Schmuckgegenstände. Die Wald-stätte trieben Handel über den Gotthard.
3. Der Wohlstand. Ein allgemeiner Wohlstand zeigte sich deshalbanch im Schweizerland schon in der Anlage der Städte und Dörfer, inder Bauart der Häuser, die in der Regel mit Malereien, kunstreichenErkern und Ösen verziert waren. Namentlich unterschied sich das Bür-gerhaus aus jener Zeit von früheren und späteren Bauten derselben Artdurch eine auffallende Raumverschwendung. „Unter dem gewaltigen, mitwiderstandsfähigen Flügeln verschlossenen Thorbogen trat man in eineweite gepflasterte Flur. Das Erdgeschoß diente znm Aufbewahren vonWaren, wenn es nicht, wie bei Bäckern und Krämern, den Berkauss-ranm barg. Auf breiten, bequemen und hellen Holztreppen gelangte derBesucher in die oberen Stockwerke. Hier fanden sich die Wohnungen,der Prnnksaal, die Küche. Licht und Luft empfingen die Zimmer durcheine große Anzahl Fenster von der verschiedensten Größe und der unregel-mäßigsten Anordnung. Hinter der Küche, gegen den Garten gewendet,gab es wohl anch einen hölzernen, gedeckten Gang, die „Sommerlaube."
Welt- u. Schweizergesch.il. ?z