Das Rechtswescn wurde gemildert. Die Folter wurde überallabgeschafft. Ebenso nahm mir den amerikanischen Streitigkeiten die Skla-verei in allen Kulturstaaten ein Ende.
Fitr den allgemeinen W o h l t h ä t i g k e i t s s i n n unserer Tagezeugen die zahllosen Spitäler, Irrenhäuser, Greisenasyle, Armenanstalten,Taubstummen- und Blindeninstitute n. s. w., welche die Gegenwart zurLinderung menschlichen Elendes geschaffen hat.
b) Künste und Wissenschaften.
1. Allgemeines. „Sehet Schiffe", sagt ein Schriftsteller von derGegenwart, „ohne Segel und Ruder gegen Strom und Wellen schwimmen!Jagende Fuhrwerke ohne Rosschuf und Menschenkraft eilen Über Bergeund Abgründe unaufhaltsam dahin. Worte fliegen mit Blitzesschnelle umden Erdball und bringen Kunde. Ein Hinschauen von wenigen Minutengenügt, und das Menschcnantlitz ist abgeprägt, wie eine zweite Schöpfungohne mitwirkende KUnstlerhand." Ja, das ist in der That die Kunst undWissenschaft der Gegenwart. Was kein Menschengeist jemals geahnt, dashat er erreicht: „Die Erde scheint sich zu beugen unter der Kraft desMenschen."
2. Die Natnrwissclischafte». Voran stehen die Naturwissenschaftenund mit ihnen die sogenannten exakten Wissenschaften überhaupt. Zeugesind die endlosen Erfindungen dieser Tage. Wir erinnern nur an dieChemie und Physik. Wie viele Vorteile hat z. B. aus der Chemieschon die Medizin gezogen? wie viele die Farbenmischung? die Leinwand-industrie? die Papierindustrie? Welche Erfolge hat die Physik im Ma-schinenbaue zu verzeichnen? Wie ivciß man heute die Stellung der Ge-stirne zu bemessen oder wenigstens aus kurze Zeit das Wetter, die Nieder-schlage ». s. w. zu berechnen?
2. Die freien Künste. Für die sog. „freien Künste" (Dichtkunst,Musik, '-Dinieret, Bildhauerkunst ic.) legen Zeugnis ab die gewaltigenAusstellnngen und Museen in allen größeren Städten; die großen Theaterund Opernhallen; die endlosen Zeitschriften und Bücher mit ihren uner-schöpflichen Illustrationen u. s. w.
Unter den Dichtern seien speziell aus dem Anfange dieses Zeitab-schnittes »och erwähnt: Goethegest. lftZ2, Schiller gest. 180.°,; die großenDichter an« der Zeit der Befreintigskriege (1813 —1814): Arndt („Wasist des Deutschen Vaterland?"), Theodor Körner („Lützows wildeJagd," „Frisch auf mein Volk, die Flammenzeichen rauchen!" .Zriny");Max von Schenkendorf („Das Lied vom Rhein"); ferner ClemensBrentano mit seiner „Chronik vom fahrenden Schüler." „Des KnabenWunderhorn", „Die Goltesmauer", „Die lustigen Musikanten," „Geschichtevom braven Kasper unb der schönen Annerl," „Gockel, Hinkel und Gake-leia") und Uhland („Des Sängers Fluch," „Das Glück von Edcnhall").
4. Volksbildung. Am meisten wurde in der Neuzeit die allge-meine Volksbildung gepflegt. Jede« Torf hat heute seine Schule, fastjede Stadt ihr Gymnasium, ihre Industrieschule oder Universität; jederBezirk seine Tagesblätter oder Wochenzeitungcn. In einer Reihe von