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Morgenländer sind die Lehrmeister der alten Griechen ge-wesen; von jenen haben diese die Kenntnis der Schiffahrt,der Bearbeitung des Erzes, der Baukunst, der Lautschriftund so manches andere empfangen. Aber die Griechen warenvon der Natur mit so herrlichen Anlagen ausgerüstet, daß sie,nachdem ihr Geist einmal durch die Bekanntschaft mit ihrenöstlichen Nachbarn geweckt worden war, diese in kurzemüberflügelten. Bald wetteiferten sie in Handel, Seefahrt undKoloniengründung mit den Phöniziern, an Kunstfleiß mitden Babyloniern und Ägyptern. Vor allem aber war ihnenein wunderbarer Schönheitssinn angeboren, der sie zu denhöchsten Leistungen in Poesie und Kunst befähigte, sowieein unermüdlicher Wissenstrieb, der sie zu den vornehmstenTrägern der Bildung im Altertum erhob. Die Werke, dieihre Dichter und Denker, ihre Baumeister und Bildhauergeschaffen haben, gehören zu den edelsten Erzeugnissen desmenschlichen Geistes und sind bis heute in mancher Be-ziehung unerreichte Vorbilder geblieben.
3. Griechenland und seine Kolonien. — Griechen-land oder Hellas, wie es im Altertum genannt wurde, isteine auf drei Seiten vom Meer umspülte Halbinsel. Durchtief eindringende Meerbusen wird es wieder in drei Stückegegliedert, Nord-, Mittel- und Südgriechenland. Dasletztere, auch Peloponnes, d. i. Pelopsinsel genannt, ist fastganz vom Meer umflossen und hängt mit dem übrigenGriechenland nur durch eine schmale Landenge, den Isth-mus von Korinth, zusammen. [Hohe Gebirge durchschneidenGriechenland in allen Richtungen und scheiden es wiederin eine Menge abgeschlossener Landschaften von mannig-faltiger Beschaffenheit. Unter dem milden _Himmel reift dieTraube, die Olive und die Feige; doch ist im ganzen derBoden von üppiger Fruchtbarkeit weit entfernt. Dafür istdas griechische Land vom Meere begünstigt, wie wenigandere. Die vielen Buchten und Häfen, die zahllosen Inseln,welche die Küste rings umgeben, mußten förmlich zur See-fahrt locken. Frühzeitig drangen denn auch die Hellenen,