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Schlangen vom Meere her ans Land geschwommen. Sieeilten auf die zwei Söhne Laokoons zu und wanden sich umihre Leiber, und wie der entsetzte Vater zu Hilfe eilen wollte,töteten sie ihn samt seinen Kindern mit ihren Bissen. Starrvor Schrecken, sahen die Trojaner dem Schauspiel zu undbetrachteten es als Strafe für Laokoons Zweifel. Sie eiltender Stadt zu und rissen ein Stück ihrer Mauer nieder, umdas Pferd hineinzuziehen, da die Tore zu niedrig waren. Inder Nacht stiegen nun die verborgenen Helden heraus, dasGriechenheer, das mittlerweile wieder gelandet war, drangdurch die Mauerlücke ein, und ein grauenvolles Morden be-gann. Die Trojaner wurden alle niedergestoßen, ihre Frauenund Töchter als Sklavinnen fortgeschleppt und Ilion demErdboden gleichgemacht.
4. Des Odysseus Heimkehr. — Aber in der Wut derRache hatten die griechischen Helden Taten begangen, dieden Göttern mißfielen, und manche von ihnen nahmen deshalbauf oder nach der Heimkehr ein trauriges Ende. Die wunder-barsten Schicksale erduldete Odysseus, der Fürst der InselIthaka. Durch widrige Winde wurde er in die fernstenGegenden und zu den seltsamsten Völkern verschlagen. MitMühe entkam er dem Kyklopen Polyphem auf Sizilien, einemeinäugigen Riesen, der sich von Menschenfleisch nährte, undder Zauberin Kirke, die einen Teil seiner Gefährten inSchweine verwandelte. Selbst in die Unterwelt geriet erund sah dort die Schatten der Toten. Gefährliche Strudelund Klippen, die Sirenen, Ungeheuer, die mit süßen Stimmenden Schiffer ins Verderben lockten, alles stellte sich seinerHeimkehr entgegen. Da zertrümmerte noch ein Sturm seinSchiff und alle seine Gefährten ertranken. Nur auf einemBalken treibend kam er zu einer Insel, welche die einsameGöttin Kalypso bewohnte. Liebreich empfing ihn diese; aberihn trieb es heimwärts, und auf selbstgezimmertem Boote ver-traute er sieh wieder dem Meere an. Abermals ergriff ihnder Sturm und warf ihn nackt und hilflos an die Insel derPhäaken. Dort gab er sich vor dem Fürsten zu erkennen,