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erzählte seine Schicksale, und dieser, nachdem er den Gastnach Gebühr gefeiert, beeilte sich, ihn nach Itliaka führenzu lassen. Aber was der Held da sah, erfüllte ihn mitgrimmem Zorn. Seine Gemahlin Penelope, die mit Sehn-sucht seiner Rückkehr harrte, wurde bestürmt von einerübermütigen Schar junger Edelleute, die sie zwingen wollten,einem von ihnen die Hand zu reichen. Da sie sich weigerte,hatten sich die Freier in Odysseus’ Palast einquartiert undverpraßten ihm Hab und Gut. Odysseus sann auf Rache.Nur von wenigen getreuen Dienern und seinem SohneTelemach erkannt, betrat er, als Bettler verkleidet, seinHaus und erduldete der Freier Spott und Hohn. Eben botsich Penelope, des Drängens müde, dem zur Gemahlin an,der imstande sei, einen gewaltigen Bogen zu spannen, derihrem Gemahl gehörte. Alle versuchten es, keiner vermochtees. Da tritt der Bettler vor und verlangt den Bogen.Höhnisch und zornig blicken die Freier auf den Verwegenen.Aber er spannt ihn mit Riesenkraft, und jetzt beginnt diefurchtbare Sühne. Einen der bestürzten Frevler nach demandern durchbohrt er mit dem unerbittlichen Pfeil, und wiealle Pfeile verschossen sind, erschlägt er sie mit Hilfe seinesSohnes und jener Getreuen bis auf den letzten Mann. Dann,nach vollbrachter Rache, feierte Odysseus das Wiedersehenmit seinem treuen Weibe nach zwanzig Jahren unsäglichenDuldens und Leidens.
§ 3. Delphi und Olympia.
1. Zersplitterung Griechenlands. — Im Verkehrmit den Fremden, den Barbaren, wie die Griechen sagten,kam es diesen zum Bewußtsein, daß sie ein Volk seien,und zwar ein hochbegabtes Volk. Sie pflegten zu sagen, dieAsiaten seien klug und gebildet, aber feige und knechtisch,die Völker im Norden mutig und freiheitsliebend, aber roh;nur bei ihnen sei Bildung mit Tapferkeit und Freiheit vereintzu finden. Freilich, daß sie, um diese Freiheit auf die Dauer