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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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15
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Poseidon und an anderen Orten abgehalten. Auf diesenFesten lernten sich die Griechen kennen, da fühlten sie sichals Brüder, als Söhne eines Landes und freuten sich derKraft und Gewandtheit ihres Stammes, die ihnen in denWettkämpfern entgegenleuchtete.

§ 4. Sparta.

1. Stände. Unter den vielen Staaten, in die Griechen-land zerfiel, hob sich frühzeitig einer an Macht und Ruhm überalle anderen empor, Sparta in Südgriechenland. Die Spar-taner waren die Abkömmlinge eines Stammes, der in uralterZeit aus dem Norden Griechenlands in den Peloponnes ge-drungen war und daselbst die Landschaft Lakonien erobert,deren frühere Einwohner geknechtet und samt ihren Güternals Leibeigene unter sich verteilt hatte. Nur die auf denrauhen Bergabhängen herumwohnenden Bauern hatten ihrEigentum und ihre persönliche Freiheit behauptet, mußtenaber den Eroberern schwere Steuern zahlen und wurdenvon diesen durch Vögte regiert. So bestanden die BewohnerLakoniens aus drei scharf gesonderten Ständen: 1) den un-glücklichen Leibeigenen, die Heloten genannt wurden,

2) den persönlich freien, aber zinspflichtigen Untertanen,

3) den Herren des Landes, den Spartanern, die so hießen,weil sie in der Hauptstadt Sparta zusammen wohnten.Diese letzteren, die kaum den achten Teil der Bevölkerungausmachten, arbeiteten nicht. Sie bildeten einen Adel, desseneinzige Beschäftigung Jagd und Waffenübung war; die Nah-rung für sie zu beschaffen, lag den Heloten ob, durchdie sie ihre Landgüter bebauen ließen. Begreiflich, daßdiese ihre Bedrücker grimmig haßten. Nur dadurch, daßdie Spartaner ihren Untertanen Tind Knechten an krie-gerischer Tüchtigkeit ebenso überlegen waren, wie sie ihnenan Zahl nachstanden, vermochten sie ihre Herrschaft zu be-haupten. Dies Ziel erreichten sie durch die merkwürdigenStaatseinrichtungen, die sie ihrem Gesetzgeber Lykurgzuschrieben.