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dessen Länge (600 Fuß) als Wegmaß bei allen Griechenanerkannt war. Andere wetteiferten im Ringen oder Springen,wobei zuweilen eine Strecke von 50 Fuß überflogen wurde.Da suchten sich Faustkämpfer zu besiegen; dort galt es,den Diskus, eine runde, metallene Scheibe, möglichst weitzu schleudern, oder mit dem Wurfspieß ein bestimmtesZiel zu treffen. Ein besonders großartiges Schauspiel botendie Wagenrennen, wofür eine eigene Rennbahn eingerichtetworden war; zwölfmal mußten die Viergespanne dieselbeumkreisen. Zuweilen ließen sich auch Trompeter hören;einer blies einmal auf zwei Instrumenten zugleich so stark,daß es in seiner Nähe nicht zum Aushalten war. Harrendumstand die dichte Menge die Kampfplätze, auf besonderenGerüsten saßen die Kampfrichter in Purpurgewändern;während der Spiele ertönte Flötenmusik. Nicht Geld, nochGeldeswert winkte dem Sieger, ein einfacher Kranz vonÖlzweigen war sein Lohn. Aber ihm wurden Ehren zuteil,wie anderwärts einem siegreichen Feldherrn. In Olympiadurfte er sein Standbild aufstellen und die größten Dichtersangen sein Lob. Seine Heimkehr glich einem Triumphe. Eskam vor, daß zu seinem Einzuge ein Teil der Stadtmauer nieder-gerissen wurde, zum Zeichen, daß eine Stadt, die solche Söhnebeherberge, des Mauerschutzes entbehren könne. In Spartaerhielten die olympischen Sieger den Ehrenplatz neben denKönigen; in Athen durften sie lebenslänglich auf Staats-kosten mit den Ratsherren im Rathause speisen. Mit Rechtschätzten die Griechen die Ausbildung des Leibes ebensohoch, wie die des Geistes. Sie dachten, nur in einem gesundenKörper wohne eine gesunde Seele. Diese Spiele, mit ihremZusammenfluß von Menschen, waren auch für Dichter undSchriftsteller eine Gelegenheit, ihre Werke bekannt zu machen;so las der Geschichtschreiber Herodot einen Teil seines Buchesüber die Perserkriege in Olympia dem versammelten Volkevor. So wichtig erschienen den Griechen die olympischenSpiele, daß ihre Gelehrten danach die Jahre zählten. ÄhnlicheFeiern wurden auf dem Isthmus zu Korinth zu Ehren des