Buch 
Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
Entstehung
Seite
20
JPEG-Download
 

20

hervorragendes Kunstwerk schmückte ihre Stadt; ihre Tempel,ihre öffentlichen Gebäude waren nüchtern und unschön, wiedie Hütten der einzelnen Familien. Keinen Künstler, keinenDichter oder Denker, ja kaum einen wahrhaft großen Staats-mann hat Sparta hervorgebracht, während dies von einemanderen griechischen Staate -sich in reichstem Maße sagenläßt, von Athen.

§ 5. Solon, Pisistratus und Kleistlienes.

1. Monarchie, Aristokratie, Tyrannis und Demo-kratie. Die außerordentliche Begabung der Griechenoffenbarte sich auch im Staatswesen. Während die Reicheder Morgenländer keine andere Staatsform kannten als denDespotismus, d. h. die schrankenlose Willkürherrschaftvon Monarchen, so machten die Hellenen alle möglichen Re-gierungsformen durch, bis sie schließlich beim Freistaat,bei der Demokratie anlangten. Ursprünglich hatten allegriechischen Gemeinwesen erbliche Könige an ihrer Spitze.Aber neben diesen stand ein trotziger Adel, der durchWaffenübung und reichen Güterbesitz hervorragte. Mit denEdeln hielten die Herrscher Rat, sie bildeten ihre vornehmsteStütze im Kriege. Aber nachgerade fanden die Edelleute,daß sie auch ohne König den Staat regieren und schirmenkönnten; fast überall gelang es ihnen, die Könige zu beseitigenund die Gewalt an sich zu reißen. So trat an die Stelle derMonarchie die Adelsherrschaft oder Aristokratie. MitAusnahme von Sparta, wo das Königtum der Form nach be-stehen blieb, führten jetzt überall vom Adel gewählte Vor-steher und Räte die Regierung. Allein die herrschende Klassebeutete ihre Macht rücksichtslos zu ihren Gunsten aus. MitVerachtung blickten dieBesten, dieSchönen und Guten 1'wie sich die Edelleute nannten, auf das gemeine Volk herab undregierten es mit Härte und Willkür. Das erregte Unzufrieden-heit unter der Menge. Auch bildete sich, seit Handel undSeefahrt so mächtigen Aufschwung genommen, in den Städten