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ein rühriger Mittelstand von Kaufleuten und Gewerbetreiben-den, die nicht einsahen, warum sie weniger fähig sein sollten,Staatsämter zu bekleiden, als die Edelleute. Heftige Partei-kämpfe brachen daher zwischen Adel und Volk aus. Dabeiereignete es sich öfters, daß ein ehrgeiziger Edelmann sichvon seinen Standesgenossen trennte, sich an die Spitze derMenge stellte und mit ihrer Hilfe die aristokratische Re-gierung stürzte. Das Volk hatte dann nichts dagegen, daßsein Führer die höchste Gewalt an sich riß, wenn er nurdem Adel seine Vorrechte raubte und die unteren Klassenschützte und förderte. Die auf solche gewalttätige Weise zuFürsten gewordenen Parteihäupter nannten die GriechenTyrannen. Manche von diesen Tyrannen waren begabteMänner, die mit Kraft und Einsicht regierten. Aber diemeisten konnten ihre Herrschaft nur durch Blutvergießenund Greuel aller Art behaupten, und so ' bekam das Wort„Tyrann“ die Bedeutung eines grausamen Wüterichs. Auchwar die Regierung der Tyrannen selten von langer Dauer.Bald war es der Adel, der sie verjagte und die Aristokratiewieder herstellte. Bald war es das Volk, das ihrer Herrschaftüberdrüssig wurde und sie stürzte, um seine eigene Herr-schaft aufzurichten. So wurde der Staat zuletzt zur Demo-kratie, zum Volksstaat. Diese inneren Wirren, die von dererblichen Monarchie zur Aristokratie, von dieser zur Allein-herrschaft eines Tyrannen und endlich zur Demokratieführten, haben viele griechische Gemeinwesen durchgemacht.
2. Adelsherrschaft in Athen. •—-So auch Athen,der glorreichste Staat des alten Hellas. Dieser umfaßtedas Land Attika, die von Bergen erfüllte östliche Land-zunge Mittelgriechenlands, ein Gebiet, das den Kanton Zürichan Größe nur wenig ühertraf. Den Namen trug der Staatvon der Hauptstadt, die, anderthalb Stunden vom Meereentfernt, um den steilen Burgfelsen Akropolis herum lag.Auch hier hatten ursprünglich Könige geherrscht, bis derAdel die Monarchie abschaffte und die Regierung Beamten,die er aus seiner Mitte wählte, übertrug. Aber die Masse
tun 750v. Chr.