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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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des Adels und der Spartaner. Kleisthenes stellte die Ver-fassung Solons wieder her, indem er sie zugleich auf wich-tigen Punkten in volkstümlichem Sinne änderte. Um dieWiederkehr einer Tyrannis zu verhüten, führte er unter andermdas sogenannte Scherbengericht (Ostracismus) ein. All-jährlich mußte der Rat das Volk anfragen, ob Grund vor-handen sei, irgend einen Bürger zu verbannen. Wurde dieFrage bejaht, so kratzte jeder Athener den Namen des ihmgefährlich scheinenden Mannes auf eine Tonscherbe ein.Stand auf 6000 Scherben der gleiche Name, so war dessenTräger auf zehn Jahre aus Attika verbannt, ohne indesweiteren Schaden an Ehre oder Vermögen zu erleiden;auch konnte er durch Volksbeschluß jederzeit zurückberufenwerden. Dies Scherbengericht traf zwar den einzelnen hart;aber es war ein wirksames Mittel, um ehrgeizige Partei-führer in Schranken zu halten. Fortan erfreute sich Atheneiner innern Buhe und Ordnung, die es früher nicht gekannthatte. Zur Zeit der Adelsherrschaft eiuer der ohnmächtigstenStaaten Griechenlands, wurde es nun im Schirm seiner neugewonnenen Freiheit rasch, um die Worte eines griechischenDichters zu gebrauchen, diestützende Säule von ganzHellas.

§ 6. Die Perserkriege. Miltiades.

1. Aufstand der Griechen in Asien (500 v. Ohr.).Während der Zeit des Pisistratus hatte sich im Morgenlandmit wunderbarer Schnelligkeit ein ungeheures Weltreich ge-bildet, das schon auch die Freiheit der Griechen bedrohte.Unter dem bis dahin wenig bekannten Volk der Perser, das imOsten des nach ihm benannten Meerbusens auf dem HochlandIran saß, war um 550 ein gewaltiger Eroberer aufgetreten,namens Kyros. Dieser hatte in siegreichen Kämpfen ganzVorderasien unterworfen. Sein Sohn Kambyses war nachÄgypten gedrungen und hatte dem uralten Reiche im Niltalein Ende gemacht. So mußten jetzt alle Völker des Morgen-landes sich in sklavischer Unterwürfigkeit vor dem persischen

um 550t. Ohr.