148
schäften verliehen. Dafür hatten sie aber dieselben als ihreBeamten betrachtet, die sie nach ihrem Belieben ernanntenund die ihnen Treue und Gehorsam schuldeten. Auch Hein-rich IV. wußte nichts anderes, als daß die Bischöfe seineDiener seien, und setzte solche ein, ohne sich um das päpst-liche Verbot zu kümmern. Da ließ ihm Papst Gregor melden,er. verdiene für seine „Verbrechen“ aus der Kirche gestoßenund der Königswürde entsetzt zu werden; wenn er nicht als-bald Buße tue, werde er diese Strafen über ihn verhängen.Welch eine Sprache gegenüber einem Herrscher, der gewohntwar, sich als höchstes Haupt der Christenheit zu betrachten,der auch im Bischof von Rom nur einen Untertan erblickte!Voller Ingrimm versammelte der junge König die deutschenBischöfe und ließ durch sie die Absetzung des anmaßendenPriesters aussprechen. Allein Gregor VII. ließ sich nichteinschüchtern. Er antwortete damit, daß er wirklich denBannfluch gegen Heinrich IV. schleuderte, ihn des Thrones fürverlustig erklärte und alle Untertanen des Treuschwurs gegenihn entband. Wohl befahl ihm jetzt der König in einem Schrei-ben mit der Aufschrift: „Heinrich nicht durch Anmaßung, son-dern durch Gottes Einsetzung König, an Hildebrand, nichtden Papst, sondern den falschen Mönch“, vom apostolischenStuhl herabzusteigen und einem Würdigeren Platz zu machen.Aber bald zeigte sich, daß der Papst der stärkere war,da die deutschen Fürsten mit ihm gemeinsame Sachemachten und schnöden Verrat an ihrem König übten. Aufeiner Versammlung erklärten sie, wenn es Heinrich nichtgelinge, sich binnen Jahresfrist vom Banne zu lösen, sowürden sie einen andern König wählen. Schon verabredeteder Papst mit ihnen, er wolle selber nach Augsburg kommen,um mit ihnen über Heinrich zu Gericht zu sitzen. Da ent-schloß sich der verratene und verlassene Herrscher, umjeden Preis vom Papste die Lossprechung vom Banne zuerwirken und dadurch den Fürsten den Vorwand zu seinerAbsetzung zu nehmen. Mitten im Winter eilte er mit seinerGemahlin und seinem dreijährigen Söhnlein auf Umwegen —