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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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Unermüdlich darauf bedacht, sich in seinem Berufe zu ver-vollkommnen, hatte er in Büchern Astronomie und Erdkundestudiert und in einem solchen gelesen, da die Erde eineKugel sei, so müßte man, wenn man von Spanien aus be-ständig über das Meer nach Westen fahre, an die OstküsteAsiens, nach Indien gelangen. Dazu hatte er von Seeleutenallerlei vernommen, was ein nicht allzu fern liegendes Landim Westen vermuten ließ, von künstlich geschnitzten Hölzern,von gewaltigen Bambusrohren, ja sogar von Leichen fremd-artiger Menschen, die von Westen her auf den Azoren undandern Inseln angeschwommen seien. Ein Landsmann desColumbus, der Geograph Toscanelli von Florenz, hattein einem Brief an einen Geistlichen in Lissabon die Por-tugiesen geradezu aufgefordert, Indien auf dem westlichenWege aufzusuchen, da dieser der einfachere und kürzere sei.Columbus hatte davon gehört, war mit Toscanelli in Brief-wechsel getreten und hatte von ihm eine Karte über den mut-maßlichen Seeweg erhalten. Zum Glück stellte sich derFlorentiner Gelehrte denselben kaum halb so lang vor, alser wirklich war, da er Asien nach den Angaben der Altenviel zu weit nach Osten reichen ließ. Seitdem war des Co-lumbus Entschluß gefaßt: er wollte den Gedanken Toscanellisausführen und quer über den Atlantischen Ozean nach Indienfahren. Es galt nun, für das kühne Unternehmen eine Re-gierung zu gewinnen, welche Schiffe und Mannschaft dazuhergab. Columbus wandte sich deshalb an den König vonPortugal, der aber auf das Gutachten seiner Räte hin denPlan als zu unsicher verwarf. Da gedachte der Genuese,ihn dem französischen Hofe vorzulegen, wurde aber auf derDurchreise veranlaßt, in Spanien zu bleiben und bei derKönigin lsabella anzufragen. Diese zeigte sich nicht ab-geneigt; aber erst nach dem Falle von Granada konnte siemit ihm in ernstliche Unterhandlungen treten. Noch drohtendiese an den großen Forderungen des Columbus zu scheitern;denn er verlangte für sich und seine Nachkommen nichtsGeringeres als die Erhebung in den Adelsstand, die Würde