212
tungen zu schulden kommen ließen, da wandte er sich mitder ganzen Heftigkeit seines Wesens gegen sie und fordertein einer Schrift „wider die mörderischen und räuberischenBauern“ die Fürsten auf, die Empörer „totzuschlagen, zuwürgen und zu stechen, wie tolle Hunde“. Sie befolgtenden entsetzlichen Rat nur allzu getreu. Nachdem ,der ersteSchrecken vorbei war, fingen sie an, nach Kräften zu rüsten,und ihren Reitern und Schützen vermochten die ungeübten,zuchtlosen Bauernhaufen keinen ernstlichen Widerstand zu1525 leisten. Überall wurden diese zersprengt, und die sieg-reichen Herren kühlten ihren Rachedurst an den Besiegtenin unmenschlichen Greueln. Wie wilde Tiere wurden dieUnglücklichen gehetzt, gespießt, gehängt, geblendet, lebendiggeschunden und verbrannt. Man schätzte die Zahl der Opferauf hunderttausend. Jetzt wurde das Elend der deutschenBauern erst recht voll. Zu den alten Lasten, zu den gräß-lichen Verheerungen, die der Krieg mit sich brachte, wurdenihnen unerschwingliche Brandschatzungen und Strafgelderauferlegt, und mehr als je waren sie der Willkür ihrerHerren preisgegeben. Dieses traurige Ende nahm der Versuchder gedrückten Volksklassen, mit der Reformation der Kircheeine Erleichterung ihres Loses zu verbinden.
10. Befestigung der Reformation in Sachsen.— Eine Weile schien es, als ob die Reformation selber indem Meer von Blut untergehen werde. Ihr wurde alleSchuld am Aufruhr beigemessen, und mit der Verfolgungder Bauern ging an vielen Orten die Ausrottung der„Ketzer“ Hand in Hand. In ganz Süddeutschland machteman Jagd auf die lutherischen Prediger und hing sie längsden Landstraßen an Bäumen auf. Aber die neue Lehrehatte schon zu tief Wurzel gefaßt, um der rohen Gewaltzu erliegen. In Sachsen hielten Kurfürst und Volk daranfest, und Luther konnte dort die begonnene Umgestaltungder Kirche glücklich zu Ende führen. Dabei fand er einenausgezeichneten Mitarbeiter an dem gelehrten PhilippMelanchthon, der schon mit 21 Jahren als Professor