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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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handhaben, wie er. Daher wurde seine Bibel ein Volksbuch,das in jeder Hütte zu finden war, und die Mundart, in dersie geschrieben war, wurde zur Schriftsprache der ganzendeutschen Nation.

11. Ausbreitung der Keformation. Auch imübrigen Deutschland befestigte sich die Reformation zu-sehends. Wo der Volkswille etwas zu bedeuten hatte, in denReichsstädten, gelangte sie fast überall zum Siege. Auchmanche Fürsten befreundeten sich damit, vor allen der feurigeLandgraf Philipp von Hessen, welcher der tatkräftigsteFörderer der neuen Lehre wurde. Ja das Werk Lutherswuchs bald über die Grenzen Deutschlands hinaus. Nachseinen Grundsätzen gestalteten die Könige von Dänemark,Norwegen und Schweden ihre Kirchen um, so daß derganze skandinavische Norden von Rom abfiel und lutherischwurde.

§ 39. Karl Y.

1. Karl V. und Franz I. Es war für die Refor-mation ein großes Glück, daß ihr gefährlichster Feind, KaiserKarl V., fast immer in schwere Kriege verwickelt unddeshalb meist von Deutschland abwesend war. Seit Karldem Großen hatte die Welt keinen so mächtigen Herrschermehr gesehen, wie diesen Habsburger, der ohne Schwert-streich, durch bloße Erbschaft in den Besitz eines Welt-reiches gekommen war. Was andere nämlich durch Krieg,das hatten die Habsburger durch Heiraten zustande ge-bracht: Reich um Reich, Krone um Krone war an ihr Hausgefallen. Kaiser Maximilian hatte sich mit Maria vonBurgund, der Erbtochter Karls des Kühnen, vermählt,und der Sohn dieses Paares, Philipp, hatte die Hand Jo-hannas, des einzigen Kindes Ferdinands und Isabellas vonSpanien, gewonnen. So vereinten sich die spanischen, bur-gundischen und österreichischen Lande in der Hand Karls V.,des erstgeborenen Sohnes Philipps und Johannas. Dazu kamdie neue Welt, welche ihm die Entdeckung des Columbus,