Buch 
Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
Entstehung
Seite
215
JPEG-Download
 

215

die Eroberungen des Cortes und Pizarro in den Schoßwarfen. Karls V. Befehl galt in Wien und in Madrid, inNeapel und Peru, Antwerpen und Mexiko. Das genügte je-doch dem unersättlichen Ehrgeiz dieses echten Habsburgersnicht. Ebenso beharrlich als besonnen, verfolgte er stets daseine Ziel, Vergrößerung der Macht seines Hauses. Dabeistieß er aber auf zwei gefährliche Feinde, die von gleicherLändergier beseelt waren, wie er, König Franz I. vonFrankreich und den türkischen Sultan. Die Türkeneroberten damals den größten Teil von Ungarn und drangeneinmal bis Wien vor, an dessen Mauern jedoch ihr Übermut 1529abprallte. Den schwersten Stand aber hatte Karl V. mitFranz I., der mit ihm vornehmlich um Italien kämpfte.

Dieses unglückliche Land stand in bezug auf Bildung, Kunstund Gewerbefleiß in Europa obenan; aber es war schwachund ohnmächtig, weil es seit der Befreiung vom Joch derHohenstaufen in viele Kleinstaaten zersplittert und in sichuneinig war. So wurde die schöne Halbinsel der Zankapfel,nach dem die fremden Mächte, eine nach der andern dieHand ausstreckten. Den Anfang machten die Franzosen,die mit Hilfe von Schweizer-Söldnern Neapel und Mai- 1494-1500land eroberten. Das erstere wurde ihnen jedoch nach kurzemKampfe von den Spaniern entrissen, und die Lombardeimachten ihnen die S c h w e i z e r streitig, die, für ihre Dienstemit Undank belohnt, sie im Bunde mit Papst Julius II. wieder 1512aus Italien zu vertreiben suchten. Schließlich erlagen dieSchweizer der Übermacht Franz I. in der zweitägigenRiesenschlacht bei Marignano und zogen sich von die- 1515sen Welthändeln zurück. Dafür trat nun Karl V. mit An-sprüchen auf Mailand hervor. Ein gewaltiger Krieg ent-spann sich zwischen den beiden Herrschern, der, durch einigeFriedensschlüsse auf kurze Zeit unterbrochen, 23 Jahre an- 152144dauerte. Nach manchen Wechselfällen endete dieser zumVorteil des Kaisers, der die Lombardei als Siegespreis da-vontrug.