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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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Orden unermeßlichen Einfluß auf die Regierungen. HohenRuhm erwarben sich die Jesuiten auch als kühne, un-erschrockene Heidenbekehrer in fremden Erdteilen. Dasvornehmste Ziel des Ordens aber war und blieb die Ver-nichtung des Protestantismus. In den Jesuiten verkörpertesich recht eigentlich die religiöse Unduldsamkeit der Zeit.Bei jeder Gelegenheit redeten sie der Ausrottung der Ketzermit Feuer und Schwert das Wort. Wenn das berüchtigteWort:Der Zweck heiligt das Mittel sich in ihren Schriftennicht in dieser Form ausgesprochen findet, so war es jeden-falls der Grundsatz, nach dem sie handelten. Vor nichtsscheuten sie zurück, wenn es dem Vorteil Roms oder ihresOrdens galt. Sie erfanden eine Sittenlehre, die es ihnenmöglich machte, unter Umständen Lüge, Meineid und Mordzu rechtfertigen. Nach ihnen durfte man jede Unwahrheitbeschwören, wofern man nur Sorge trug, den Worten imstillen einen andern Sinn zu unterlegen, als derjenige, dersie anhörte.Eine solche Schlauheit, schreibt einer ihrerberühmtesten Lehrer,ist von großem Nutzen, um vieleszu verbergen, was verborgen bleiben muß, und was dochnicht ohne Lüge und Meineid verheimlicht werden könnte,wenn es nicht auf diese Weise geschehen dürfte. Ist esda ein Wunder, wenn das WortJesuit zum Inbegriff derTücke und Falschheit geworden ist? Nicht nur von Pro-testanten, auch von guten Katholiken ist die Jesuitenmoralals eine Schande für die Menschheit gebrandmarkt worden.

II. Das Zeitalter der Deligions-

krieg'e.

§ 42. Philipp II. und die Niederlande.

1. Philipp II. (15561598). Ein Herrscher sorecht nach dem Herzen der Jesuiten war Philipp II. von