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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / von Wilhelm Oechsli
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Spanien, der Sohn und Nachfolger Karls V. Der Ketzer-haß des Vaters hatte sich bei ihm noch gesteigert. Auchin Spanien gab es Priester und Laien, die lutherischen An-sichten zuneigten. Aber Philipp II. spornte das Inquisitions-gericht zu rastloser Tätigkeit an, bis die letzten Spuren desProtestantismus auf der Halbinsel vertilgt waren. Dabeisparte man gewöhnlich eine große Zahl von Opfern zu-sammen, um die Ketzerverbrennungen desto eindrucksvollerzu machen. Unter dem Namen Auto da Fe (Glaubens-handlungen) wurden diese zu förmlichen Volksschauspielen,denen der König mit dem ganzen Hof zur Erhöhung der Feier-lichkeit beiwohnte, wie einst Nero den Martern der Christen.So groß, wie Philipps Glaubenseifer, war seine Herrschsucht.Als Herr von Spanien, der Niederlande, der volk-reichsten Teile Italiens und der unermeßlichen Gebieteder Neuen Welt war er weitaus der gewaltigste Monarchseiner Zeit. Zu alledem fiel ihm noch durch Erbschaft daseinzige Land anheim, das mit Spanien als Seemacht wett-eiferte, Portugal samt all seinen Besitzungen in Ost-indien. Jetzt ging in Philipps Reich die Sonne nicht unter.Warum sollte er nicht auch den Rest Europas in sein Jochspannen, in Frankreich und England der Ketzerei das Hauptzertreten und die Fahne des Hauses Habsburg aufpflanzen?Besaß er doch die reichsten Schätze, die größte Flotte unddie besten Soldaten. Denn seit den Kriegen seines Vatersgalten die Spanier als unüberwindlich. Aber die hochfliegen-den Pläne des finstern Despoten gingen zum Glück derMenschheit nicht in Erfüllung. Im Gegenteil. Er mußte esnoch erleben, daß ein Teil seiner eigenen Untertanen, durchseine Tyrannei zur Verzweiflung getrieben, von ihm abfiel.

2. Alba in den Niederlanden (15671573).Indem Reiche Philipps bildeten die arbeitsamen Niederlandean den Mündungen des Rheins und der Schelde nicht dengeringsten Bestandteil. Kaum fand man irgendwo schöne undvolkreiche Städte so dicht gesät wie hier. Ihre Seehäfen,namentlich Antwerpen, wetteiferten mit den ersten der Welt,

Oechsli, Allgemeine Geschichte. 15